W|G|D: 1753 - „Es möge geschehen"

Klaus A.E. Weber

 

Herzog Carl I. überlegte … und entschied: „Es möge geschehen"

Am 25. Mai 1754 schrieb  der Hof-Jägermeister Johann Georg von Langen einen Brief an Herzog Carl I. in Braunschweig:

Ob nun Ew. Herzogl. Durchl. besagten Ort durch mehrere neue Anbauer erweitern und größer wollen anlegen lassen, dependiert lediglich von Ihro Höchstem Willen und Gutbefinden. Daß es einen anderen und besonderen Nutzen für das Land haben solle, als daß unter Zeiten ein guter junger Soldat daselbst geboren werde, die Consumtion in etwas augumentiert und sich ein Hundert und mehr Menschen kümmerlich daselbst ernähren und durchbringen können, lässet sich im voraus nicht wohl determinieren. Doch wird es allemal den Nutzen haben, daß die Bewohner etwas mehr aufbringen, als solche den Forsten und anderen Einrichtungen schaden.

Herzog Carl I. besonders gut gefallen zu haben scheint die Anmerkung seines Hof-Jägermeisters, dass „unter Zeiten daselbst ein guter junger Soldat könne geboren werden", denn Herzog Carl I. schrieb an den Rand des Schriftstückes:

Es möge geschehen“.

Des Weiteren forderte Herzog Carl I. von seinem Kommissar Laurentius umgehend einen „Kartenriß“ ein, „den ferneren Anbau von Hellental betr.".

Im Zeitraum von Ende 1755 bis Anfang 1756 wurden die geforderte Beschreibung und der „Riß von Hellenthal" zur (steuerlichen) Aufnahme des künftigen Dorfes erstellt.

Am 17. Februar 1756 erging dann den „Anbau zu Hellenthal betreffend" an den Hof-Jägermeister v. Langen die herzogliche Verfügung, „auch jedem im Hellental sich neu Anbauenden ½ bis 1 Morgen Wiesen aus der Forst angewiesen erhalten“, einschließlich eines Platzes für ein Wohnhaus.

Zudem sollte ihnen „angedeutet werden ..., daß sie zeitlebens von allen oneribus publicis (öffentlichen Lasten) frei sein und sich auch einiger Bau-Douceurs, wo unsere Forsten in der Nähe liegen, am Eichenholze, sonst aber an barem Gelde ... zu erfreuen haben".

 

GRUNDRISS des Dorfs Hellenthal, nebst den dazu gehörigen Grundstücken im Fürstlichen Amte Allersheim im Sollinge belegen. │Vermessen  im Jahre 1792 │Copirt 1825

Wirtschaftsförderung mit Binnenkolonisation - Planmäßiger Anbau um die Quelle & Entwicklung der Colonie im Hellenthale abgesondert von allen Straßen

Der aus der Vermessung von Joh. Chr. Haarmann hervorgegangene großformatige, im Original handkolorierte Grundriss von 1792 zeigt die Anordnung von Gebäuden und Gärten durch eine systematisch-planerische Geometrie bei der Anlage des gewerblichen Dorfs Hellenthal (Vermessungs. Register mit Assecuranz №│ Nutzflächen │ Nahmen der Einwohner) im Rahmen des „Neuen Anbaus auf dem Lande" zur Beförderung des commerce.[1]

Einem geschützten nordwestlichen Seitental zwischen Buch HolzMerxhäuser WiesenSollkamp An der Koppel folgend, sind die relativ enge, zeilenartige Wohnbebauung (Hausstellen, Hofräume) wie auch die Garten- und Wiesenflächen bei ungünstigen topografischen Verhältnissen zu erkennen.

Es bestehen in Reihensiedlung 12 Hausstellen am südwestlichen und 10 Hausstellen am nordöstlichen Berghang.

Sieben Hausstellen gruppieren sich in der Dorfmitte um den Mühlenteich und seinem Zufluss (Steinbeke) von der oberhalb gelegenen Bergquelle, die der zentralen Trink- und Brauchwasserversorgung diente.

Sowohl der Zufluss der Quelle zum Mühlenteich als auch dessen Entwässerung als Mühlenbach zur Helle ist unverbaut offen.

Eine Wassermühle mit der Ass. № 2 (Müller Düvel) ist am Bachlauf der Beeke verzeichnet.

Das ehemalige Werksgelände der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts betriebenen Waldglashütte Zur Steinbeke ist als in sich abgeschlossenes Gefüge erkennbar, räumlich abgesetzt von der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch den fürstlicher Landesausbau planmäßig durch neue Anbauer und Handwerker entstandenen Colonie im Hellenthale.

Die jedem Anbauenden staatlich zugeteilten Wiesenflächen im Dorf, im dauerfeuchten Wiesen im Hülsebruch und in der Steinbocksgrund vermitteln ein gewannartiges Flurbild.

 

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[1] NStAWb K 3344 – Original-Schwarz-Weiß-Fotokopie (verkleinert) aus dem Bestand des ehemaligen „Wald- und Lönsmuseums“ in Hellental.