W|G|D 8.2: WaldArbeit & "Keilbuils"

Klaus A.E. Weber

 

 

Hellentaler Schnitzarbeit „Waldarbeiter“ │ 1990

 

Die Geschichte des Hellentals im Solling wurde vom Mittelalter bis zur Gegenwart maßgeblich von der verschiedenartigen Wald- und Holznutzung und deren besonderen Geschichte geprägt.

Im 18./19. Jahrhundert wurde die Forstarbeit für Hellentaler Kleinstellenbesitzer zum maßgeblichen Hauptgewerbe, was nicht zuletzt die Kennzeichnung des Sollingdorfes als Holzhauer-/Waldarbeiterdorf begründete.

Als man im späten 18. Jahrhundert in den braunschweigischen Staatsforsten verstärkt Waldarbeiter benötigte, wurden solche auch in der „Merxhäuser Forst“ angesiedelt – systematisch in der seit 1753 planmäßig im Ausbau befindlichen „Colonie im Hellenthale“, einem früheren Glashüttenstandort.

Mit insgesamt rund 240 Männern imponierte im Zeitabschnitt des 18./19. Jahrhunderts die Erwerbsarbeit als Holzhauer, Holzschläger, Holzschieber oder Waldarbeiter.

Die Forstarbeit der Kleinstellenbesitzer war somit das für Hellentaler Familien maßgeblichste Hauptgewerbe.

Hierhin ist zugleich auch die bis heute gebräuchliche Kennzeichnung von Hellental als „Waldarbeiterdorf“ begründet, was sich nicht zuletzt auch im Gemeindewappen von Hellental in Form eines stilisierten Fichtenbaumes widerspiegelt.

Die Werkzeuge eines „ordentlichen Holthauers" und „Kailbuils“ (Waldarbeiter) jener Zeit umfassten Säge, Axt, Schäleisen und Keile.

Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts wurde ausschließlich die Axt als wichtigstes Holzhauer-Werkzeug zum Baumfällen eingesetzt, zur Mitte des Jahrhunderts allmählich die Zwei-Mann-Zug- oder Bogensäge.

Ende des 18. Jahrhunderts zählte das abgelegene Bergdorf zu den bedeutenden Waldarbeiterdörfern des nördlichen Sollings.

Die Arbeit der Holzhauer (später Forst- bzw. Waldarbeiter) war im 18. Jahrhundert weitaus härter, schwieriger, körperlich anstrengender und letztlich auch sehr viel gefährlicher als zur heutigen Zeit.

Die winterliche Waldarbeit war Schwerstarbeit in freier Natur.

 

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∎  Herzogliche Forstkarte „Haupttheil Lit: H“  │ um 1860

Charte von den Herzogl. Braunschweig-Lüneburgischen Forsten

in Stein gravirt von W. Räger in Braunschweig, gedruckt bei Wehrt

Die altkolorierte, lithografierte Forstkarte der niedergesetzten Komission zeigt das Forstgebiet bei Merxhausen, angrenzend an das Forstrevier Holzminden № 2 und die Straße Holzminden nach Einbeck (Braunschweigische Bibliographie, S. 19).

• Siedlungen: SchieshausHellenthalMerxhausen

• Flächen (Längenmaßeinheit Ruthen) │ Terrain durch Schraffur wiedergegeben

        mit Sturm=Linie:

  I Sonnenköpfe │ Wildstall

  II № 1 Hellenthalerberg№ 2 AhrendsbergHülsbruch │ nebst Kahleberg mit Kahlencamp

  III № 1 / № 3

  IV Buchholz mit TriftSteinlade№ 2 Heidelbrink

 

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∎  Forstarbeitereinsatz im Lappwald │ September 1913

Auf Grund einer Abordnung von Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) erfolgte im September 1913 ein Arbeitseinsatz von Hellentaler Forstarbeitern bei der Aufforstung des Waldgebietes Lappwald, einem bewaldeten Höhenzug nahe Helmstedt.

Der Einsatz zur angeordneten „Mithilfe“ erfolgte nach einem großen Windbruch mit entwurzelten oder geknickten Bäumen (Sturmholz) in den Mittelgebirgszügen Lappwald und Elm (heute Naturpark Elm-Lappwald).

Fotografie von 1913:

  • Zweiter von links: „Onkel“ Albert Schütte │ Hellental

  • rechts liegend: „Onkel“ Ludwig Schütte │ Hellental

  • Dritter von links sitzend mit Hosenträger: Karl Bartels │Hellental

  • links liegend: Theodor Meier │ Hellental

 

 

∎  Waldarbeiter vor dem Panorama von Uslar │ um 1907

Forstarbeiten an einem Hohlweg │ Passepartout-Ansichtskarte │ verschickt am 10. Juni 1907

 

∎  Hellentaler Schnitzarbeit „Waldarbeiter“ │ 1990

von Dietrich Malchow (1925-2020) │ Hellental

Lindenholz

Geschenk von Revierförstereien an den Hellentaler Waldfacharbeiter Erwin Schulz (1929-2017)

Zur Erinnerung an die aktive Zeit und die Mitarbeiter in der Revierförsterei Merxhausen │ Revierförsterei Nagelbach │ 27.04.1990

 

∎  Schlesische Schnitzarbeit „Röhrender Rothirsch“ │ Rębiszów 1977

Geschenk anlässlich der Reise 1977 zum Geburtsort von Manfred Dittrich (1934-2019) mit handschriftlicher Widmung:

Geschnitzt in Queerbach im Isergebirge in Schlesien.

Geschenk von Familie Janus in Rabishau an Manfred Dittrich in Holzminden.

 

Keilholz für Keilbuils

Früher erhielten die Hellentaler Wald-arbeiter – die „Kailbuils“ - von der Staatsforst kostenfrei einen ½ Raummeter astfreies Eschen- und Buchenholz als „Keilholz“ zur Verfügung gestellt, um daraus selbst Fällkeile für den forstwirtschaftlichen Einsatz  herzustellen.

Die stabilen Holzkeile wurden meist aus gespaltenem und mit der Axt behauenem Eschenholz angefertigt.

  • Original-Holzkeil aus Buchenholz │ keilförmig mit der Axt behauen │ Hellental, um 1900

 

Hellentaler Waldarbeiterlied

 

 

Fällen einer Fichte im Solling um 1900

► Hauen der „Fallkerb“ an der Seite des Stammes, in deren Richtung er fallen soll   → Fällaxt

► Sägen des gegenüberliegenden Fällschnitts   → Zugsäge

► Fällen des Stamms mittels „Fallkerb“   → Hellentaler Holzkeil

 

 

"Erzählende" Jahresringe mit variantem Früh- und Spätholzanteilen eines Eichenstamms

  • Ringförmige Maserung eines Eichenstamms von der Mitte des 18. Jahrhunderts angelegten Eichenallee im Solling │ Mai 2020

 

Forstkultur

Baumpflanzerin mit Eichensetzling in den Händen

Rückseite der populären 50-Pfennig-Münze (Modell: Gerda „Jo“ Werner (1914-2004))

Symbol für Wald- und Forstarbeiterinnen │ Symbol für die Hoffnung auf Frieden und Wohlstand

Erstprägung 1949 │ Prägung 1990

 

∎  Eimertragejoch │ „Schanne“ │ Hellental │ um 1900

Das hölzerne Tragejoch zum Tragen schwerer Lasten war bis ins 20. Jahrhundert eines der wichtigsten regionalen Transportmittel.

Die historische Schultertrage mit auf den menschlichen Nacken zugerichtetem geradem Holz ist vergleichbar mit dem bei Zugtieren verwendeten Jochgeschirr.

An den beiden Enden der aus Lindenholz gefertigten „Schanne“ aus Hellental wurden mit Hilfe von Eisenketten zwei möglichst gleichschwere Eimer mit Wasser angehängt und transportiert.[3]

 

 

Fotografien:

Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] Ausstellung im HISTORISCHEN MUSEUM HELLENTAL.

[2] Restaurierte Leihgabe von Andreas Heppner,  Höxter │ 2000.

[3] SIUTS 2002, S. 132-133 Tafel 70 Nr. 17.