Johann Nicolaus Fleischhauer (~1732-1803)

Klaus A.E. Weber

 

Künstlerisches Spitzenwerk um 1790: Goldrandpokal von Johann Nicolaus Fleischhauer (~1732-1803) [7][16]

Weinpokal│radierte Goldmalerei auf der Schauseite

ligierte Initialen "CGA" = Carl Georg August (1766-1806), Erbprinz von Braunschweig-Wolfenbüttel

zur Vermählung mit Friederika Louise Wilhelmina von Nassau-Oranien (1770–1819) am 14. Oktober 1790

eingestochene Luftblase jeweils im Baluster und Nodus│9+1 eingestochene Luftblasen im massiven Kuppaboden

 

Als "kunsterfahrener Glas Mahler und Schneider aus Gehlberg" ein Multitalent [4][19]

Im Zentrum eines 2014/2015 durchgeführten Forschungs- und Ausstellungsprojekts zur Glashütte Schorborn [1][19] stand das besondere Wirken des Vergolders, Glasschneiders und Emailglasmalers Johann Nicolaus Fleischhauer.[2]

Johann Nicolaus Fleischhauer konnte im Zeitraum 1766-1768  an den Glashüttenstandort Schorborn verpflichtet werden, er als einziger Glasdekorateur beschäftigt war.

Der aus Thüringen (Geehlberg) kommende Johann Nicolaus Fleischhauer war zuvor ab 1752 auf der Fürstlichen Glashütte Altmünden (Fürstliche Kristallglashütte) als Glasmaler, Vergolder und "perfektioniert" als Glasschneider tätig gewesen, die er nach zwölfjähriger Tätigkeit wegen Streitigkeiten mit der Kündigung seines Arbeitsverhältnisses im Herbst des Jahres 1764 verließ.[6][8]

Nach kurzer Beschäftigung als Keramikmaler bei der bekannten, 1732 von Carl Friedrich von Hanstein gegründeten Fayence-Manufaktur Münden, wo er 50 Thaler verdiente,  wurde Johann Nicolaus Fleischhauer als Glasdekorateur bei der Glasmanufaktur Schorborn eingestellt als

  • Glasmaler - Verzierung von Glasflaschen und Trinkgläser mittels Emailmalerei (Technik der flächigen Fayencemalerei) mit bunten Farben und Motiven aus dem Leben von Bürgern und Bauern

  • Vergolder - radierte Goldmalereien mit Binnenzeichnung auf Gläsern und Pokalen

Seine meisterhaft Kunstfertigkeit lag wohl primär in der Glasmaler wie auch im Vergolden und Radieren.[5][7][8]

Mit dem Wirken von Johann Nicolaus Fleischhauer auf der Glashütte war es möglich geworden, hochwertiges Gläser direkt am Hüttenstandort zu verfertigen bzw. zu veredeln, von wo aus diese unmittelbar ausgeliefert werden konnten; bereits 1768 gab es einen umfänglichen Bestand an geschliffenen und geschnittenen Gläsern.[15]

Bei der Emailbemalung von Gebrauchsgläsern habe sich Johann Nicolaus Fleischhauer besonders produktiv gezeigt - für ihn charakterisierend durch die Farbtöne Weiß, Blau, Gelb, Grün und Schwarz, in der Anordnung von Strahlenkränzen und umlaufenden Farbbändern.[15]

 

Gebrauchsgläser (Schnapsfaschen) mit bunter Emailbemalung [16]

Bemalung von Johann Nicolaus Fleischhauer (~1732-1803)

 

Im Zeitraum 1770-1803 sei er bei der Emailbemalung von Gebrauchsgläsern von seiner Frau Anna Elisabeth und den Kindern unterstützt worden.[15]

Johann Nicolaus Fleischhauer hatte vor 1756 Anna Elisabeth Mossebach (~1730-1806) geheiratet.

Aus der Ehe auf der "Fabruic" in Schorborn gingen zwischen 1756-1772 vier Kinder (3 Töchter, 1 Sohn) hervor:[2]

  • Anna Elisabeth Fleischhauer (~1756-1819)

  • Maria Sophia Conradine Fleischhauer (1767-?) 

  • Johanne Christiane Catharina Fleischhauer (1769-?)

  • Johann Christian Gottfried Fleischhauer (1772-1775)

Anna Elisabeth Fleischhauer heiratete am 10. August 1780 in Schorborn den "Medizinglasmacher in Mühlenberg" Johann Christoph Stender (1752-1892), dessen Vater Johann Philipp Stender (1727-1787) "Hohlglasmacher zum Pilgrimteich" war.

In Schorborn heiratete am 29. Mai 1791 Maria Sophia Conradine Fleischhauer den Vorbläser Johann Friedrich Seitz.

1776 erwirbt Johann Nicolaus Fleischhauer in Schorborn das Wohnhaus des ehemaligen Hüttenverwalters Joachim Carl Nagel.

Legt man das 1786 in der Lohnliste der Schorborner Glashütte angebene Jahreseinkommen in Höhe von 400 Thalern zugrunde [3][5], so war der solide "Glasschneider" Johann Nicolaus Fleischhauer als Spezialist der "weißen Hütte" in Schorborn mit Abstand der Spitzenverdiener unter den Fabrikanten der Hütte.

Johann Nicolaus Fleischhauer verstarb am 21. Juli 1803 in Schorborn. 

▷ Ihm werden nach OHLMS [4] mehrere kunstvolle wie auch schlichtere Schorborner Kelche und Pokale zugeschrieben.

Vor dem Hintergrund der Ausstellung im Jahr 2017 "Kostbarkeiten aus Sand und Asche - entstanden im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel" [16] führt KRAMER [17] zum Glasschnitt von Johann Nicolaus Fleischhauer zusammenfassend aus: 

"In einer starken fränkisch-thüringischen Tradition steht Fleischhauers flacher Glasschnitt, dem gerutschten Dekor.

Technik aber auch Motivik und Bildsprache (Tiere, Lirebe, Glaube) lassen die thüringische Herkunft und Ausbildung Fleischhauers klar erkennen, machen aber die Bestimmung der Gläser schwierig.

Beim flachen gerutschten Schnitt sowie dem nicht selten vergoldeten Tiefschnitt wird eine für Fleischhauer tyische Vermischung von Techniken, Stil und Ikonographie erkennbar."

 

Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

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[1] Ausstellungs- und Forschungsprojekt im Glasmuseum Grünenplan - Wissenschaftliches Fachsymposium am 10. Oktober 2015.

[2] NÄGELER 2013, Nr. 299.

[3] OHLMS 2006, S. 20-21.

[4] OHLMS 2006, S. 23-24, 27-29.

[5] ALMELING 2006, S. 107.

[6] ALMELING 2006, S. 39, 105-110.

[7] ALMELING 2006, S. 108 Abb. 89.

[8] DREIER 1996, S. 92-93.

[15] KRAMER 2017b, S. 18-21.

[16] Sonderausstellung "Kostbarkeiten aus Sand und Asche - entstanden im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel", Museum Schloss Wolfenbüttel, 11. März - 02. Juli 2017.

[17] KRAMER 2017b, S. 19.

[18] Nach KRAMER [17] erscheint diese Schlifftechnik zuerst zwischen 1730-1750 vor allem auf "sächsischen Landgläsern", zwischen 1750-1765 in Altmünden.

[19] Mitglieder der Arbeits- und Forschungsgruppe Schorborn: Helge Eberle (Braunschweig), Achim Friedrich (Wennigsen), Matthias P. Heintzen (Wolfenbüttel), Wieland Kramer (Wuppertal), Bernd Krämer (Grünenplan), Christian Leiber (Holzminden-Bevern), Albert Schwiezer (Hess. Oldendorf).