Archäologische Funde in der Gemarkung Heinade

 Dr. Klaus A.E. Weber

 

Fundstellen um "Heina(de)" am nordöstlichen Sollingrand

Übersicht erstellt von Raimond Schulze, Stadtoldendorf

 

Prähistorische Bodenfunde am nördlichen Sollingrand - Funde aus der Mittelsteinzeit (8.000-5.500 v. Chr.)

Im September 1988 konnte im Rahmen der archäologischen Prospektion zur Erkundung steinzeitlicher Fundstellen am und im Solling ein erstes Bindeglied zwischen dem Dassler Becken und dem Stadtoldendorfer Raum auf Ackerland in der Gemarkung Heinade gefunden werden.[9]

Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine mesolithische Fundstelle auf einer flachen Geländekuppe, halbkreisförmig vom Spüligbach umflossen.

Insgesamt handelt es sich um 44 Fundstücke.

Die Funde lassen ziemlich sicher ein mittelsteinzeitliches Alter annehmen.[10]

Zuvor waren bereits bei einer systematischen Feldbegehung im Oktober 1983 als Fundstreuung vorgeschichtliche Scherben und drei Abschläge aus Feuerstein auf einem Ackerland („Entenpfühlen“) eines nach Norden abfallenden Geländes im Quellgebiet des Eberbaches in der Gemarkung Heinade entdeckt worden.[11]

Des Weiteren konnte im „Farkensieksfeld“ auf einem nach Nordosten geneigten Gelände nahe einem Bachlauf ein Kernstein gefunden werden.[12]

 

 

Mesolithische Einzelfunde (Mikrolithe) in der Gemarkung Heinade, 8.000-5.500 v.Chr.
Zeichnung: Henri Henze, Archäologische Denkmalpflege Landkreis Holzminden [2]

 

In dem hier betrachteten geographischen Raum des nördlichen Sollings bewegten sich prähistorische Menschen, wahrscheinlich entlang des Spüligbaches und Eberbaches am nördlichen Sollingrand, wo sie zu ihrer Nahrungsgewinnung gejagt, gefischt und Wildfrüchte gesammelt haben.

Dabei hinterließen sie Werkzeuge und deren Herstellungsabfälle.

 

Bronzezeitliches Absatzbeil &  Feuersteindolch

Ein in der Feldmark von Heinade "ausgeackertes", nordwestdeutsches schlichtes Absatzbeil aus Kupferlegierung (Bronzezeit um 1.600 v. Chr.) belegen, dass sich bereits vor Jahrtausenden Menschen in dem Gebiet um Heinade aufgehalten haben, das das Dasseler mit deem Stadtoldendorfer Becken verbindet.[1]

Am 15. November 2008 wurde bei einer archäologischen Feldbegehung auf einer Ackerfläche nahe Heinade ein Fragment eines bronzezeitlichen Feuersteindolchs gefunden.

 

 

Fragment eines bronzezeitlichen Feuersteindolchs (um 1.600 v. Chr.) [2]

 

Beim Pflügen des Ackerlandes auf dem Gemarkungsstück „Salzbreite“, einem Südosthang bei Heinade in Richtung Merxhausen, wurde 1921 als bronzezeitlicher Einzelfund ein relativ komplettes Beil aus Kupferlegierung „ausgeackert“ (datiert: um 1.600 v. Chr.).[13]

Der Bodenfund konnte der Gruppe der nordwestdeutschen schlichten Absatzbeile zugeordnet werden.[14]

Solche Absatzbeile wurden aus einer zweiteiligen Bronzegussform hergestellt.

Sie boten durch einen Absatz zusätzlichen Halt für einen hölzernen Schaft.[15]

 

 

 

Nordwestdeutsches, schlichtes bronzezeitliches Absatzbeil (um 1.600 v. Chr.) [2] - Zeichnungen:

Henri Henze, Archäologische Denkmalpflege Landkreis Holzminden │ Curt Sauermilch (Holzminden) um 1921

 

 

Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

 


[1] vergl. Fundchronik im Jahrbuch für den Landkreis Holzminden. Bd. 3, 8/9, 10/11.

[2] Studiensammlung Archäologische Denkmalpflege Landkreis Holzminden.

[9] Bodenfunde von Ursula Werben (Einbeck), ehemals Beauftragte für die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Northeim.

auch: Gemarkung Denkiehausen FStNr. 1, Einzelfund NEO [LEIBER 2004 Teil 2, S. 243, KtNr. 108, Tafel 20], Verbleib im Stadtmuseum Stadtoldendorf, InvNr. I, 27; s. auch „Ortschronik Wangelnstedt“ [ANDERS 2004, S. 15].

[10] LEIBER 1992, S. 128

Gemarkung Heinade FStNr. 4, Station, MES [LEIBER 2004 Teil 2, S. 282, KtNr. 204].

Die Originalfundstücke befinden sich in der Studiensammlung der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden; darunter 1 Stichel, 4 Kratzer (davon 1 Halbrundkratzer), 5 Kernsteine, Klingen, Lamellen, Abschläge aus Feuerstein und 1 proximales Klingenstück aus Kieselschiefer.

[11] Feldbegehung durch E. Tonert.

[12] Gemarkung Heinade FStNr. 2, Fundstreuung, chron. ind. [LEIBER 2004 Teil 2, S. 282, KtNr. 202].

Gemarkung Heinade FStNr. 3, Einzelfund, MES [LEIBER 2004 Teil 2, S. 282, KtNr. 203]

[13] Gemarkung Heinade FStNr. 1, Einzelfund, BZ.

Nach LEIBER [2004b Teil 1, S. 68 – Teil 2, S. 455, Tafel 38, KtNr. 201] weist das an sich komplette Absatzbeil eine kleine Ausbruchstelle am Nacken auf, Schneide beschädigt, runder Absatz und ohne Schildbogen an den Schmalseiten; das Original befindet sich in der Studiensammlung der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden (FO: Heinade, FSt.: 1, Kat.-Nr. Vorg. 20); nach LEIBER [2004 Teil 1, S. 68] lässt sich das Bronzebeil der Gruppe der nordwestdeutschen schlichten Absatzbeile zuordnen und kann als Beleg für die Form Wardböhmen-Anzin angesprochen werden; 193 g; Länge: 13,4 cm, Breite S.: 3,2 cm, Dicke: 1,8 cm; siehe zudem Bericht im TAH vom 17.01.1978.

[14] LEIBER 2004b Teil 1, S. 68.

[15] METZLER/WILBERTS 1991, S. 163, 181.

Bereits TACKE [1951, S. 97] würdigte in den 1950er Jahren den Einzelfund vom „westischen Typ“ als „das beste Stück“. Es weise daraufhin, dass sich wahrscheinlich bereits während der mittleren/späteren Bronzezeit Menschen in diesem nördlichen Sollingrandgebiet aufgehalten haben. Heute befindet sich das auch für die Ur- und Frühgeschichte des Landkreises Holzminden sehr wertvolle bronzezeitliche Absatzbeil in der Studiensammlung der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden. Ein weiteres, jedoch stark beschädigtes Bronzebeil war bereits 1872 in Delligsen gefunden worden [LEIBER 2004 Teil 1, S. 68].