"Amelunx=Born" - Ein "ziemlich reichbegabtes Closter"

Hochmittelalterliche Stiftung & Gründung 1129/1135  - Kloster mit "Cistercienser Mönchen"

 


Nicht unumstritten im Jahr 1129 "mit gutem Consent" gestiftet (Northeimer Stiftungsakt durch den Territorialherrn Graf Siegfried von Homburg) [15], wurde durch einen Mönchskonvent am 20. November 1135 auf dem Hochplateau Odfeld bei Stadtoldendorf das Zisterzienserkloster Amelungsborn in Besitz genommen und damit ordensrechtlich gegründet - mit späterem Streubesitz.[10][12]

 

Hochgotische Kirchenfenster mit "Glasmahlereyen" & ihr Schicksal

Im Kloster Amelungsborn befanden sich (bis 08. April 1945) imposante Glasgemälde des 14. Jahrhunderts.

Allerdings blieben nur wenige Reste des einst größten mittelalterlichen Glasmalereizyklus in Niedersachsen erhalten.

Allein das große Chormittelfenster soll 72 Scheiben mit Szenen aus dem Marienleben, der Jugend und der Passion Christi enthalten haben - eine "Inkunabel der niedersächsischen Kunstgeschichte".[6]

Von gotischen Tabernakeln und Fialen begleitet befinden sich heute in drei Fenstern des nördlichen Seitenschiffes Scheibenreste, wobei noch erhaltene Scheiben so gut es möglich war, wieder zu sinnvollen Einheiten zusammengesetzt wurden:[6]

  • linkes Fenster: im Zentrum zwei nebeneinander stehende Figuren, die Verkündigung vom Tode Mariens,
  • mittleres Fenster mit ausgebesserten Scheiben: stark zerstörte Darstellung Christi vor Pilatus; darüber Teile einer Kreuzigungsszene: links Longinus mit der Lanze, rechts der gute Hauptmann,
  • rechte Scheibenreste: einen der anbetenden Drei Könige.

Im Ostfenster des südlichen Chorseitenschiffes wurden schließlich 12 von ehemals 60 noch vorhanden Scheiben wieder eingesetzt wobei der mittelalterlich weit verbreitete Bildtypus einer so genannten "Wurzel Jesse" zur Darstllung kommt, der Stammbaum Christi; Jesus als Erlöser wird "als oben thronender Herrscher gezeigt".

In der oberen Reihe im zweiten Fenster von links wird König David mit Krone und Harfe als "die hervorragende und beeindruckendste Figur"abgebildet.

 

Das gotische Ostfenster um 1330 - Einst ein herrlicher Kirchenschmuck

Nach HEUTGER [17] sei das ursprüngliche, einen "herrlichen Schmuck der Kirche" darstellende und aus 36 Bildfenstern bestehende Ostfenster um 1330 entstanden.

Dabei seien Szenen "aus dem Leben der Maria und Christi, mit der Verkündigung an Joachim beginnend und mit Christus als Weltenrichter endend" dargestellt gewesen.

Es sei theologisch bedeutsam gewesen, dass "von der ersten Lebenszeit Jesu gleich zur Passionsgeschichte übergegangen" worden sei.

"Auf den Kindermord von Bethlehem" sei "die Einsetzung des Heiligen Abendmahls" gefolgt.

Für jene Auswahl sei "einerseits das besondere mariologische Interesse der Zisterzienser und andererseits das Interesse an der Passion Christi, die der Mönch nachvollzog, entscheiden geworden".

Alle Szenen seien "auf die notwendigsten Figuren vereinfacht und vor besternte, blaue oder rote Teppiche gestellt" gewesen.

"Die schmalen Figuren" seien "ausdrucksvoll bewegt, die Gesichtstypen hager" gewesen.

"Das Rahmungssystem, die Baldachine über den Bildern und der Figurenstil" sollen an "kölnische Arbeiten" erinnert haben.[17]

 

Ausschnitt aus der mittelalterlichen Verglasung mit der gotischen Glasmalerei aus dem jüngeren Bibelfenster

  Kölner Dom, um 1280


HEUTGER [17] legte 1968 dar: "Dieses gewaltige, in sich aber nicht einheitliche Fenster, war seinerseits nur der Rest eines noch 1637 bezeugten zwölfteiligen Zyklus, von dem selbst 1819 noch 9 ganze Fenster erhalten waren."

Weiter führte HEUTGER aus, dass "einige erhaltene Bruchstücke des zerstörten Ostfenserters, der Rest einer Kreuzigung, eine Ankündigung des Todes der Maria und ein jugendlicher König mit höfisch-femininen Gesichtszügen", seien in die drei östlichen Fenster des nördlichen Seitenschiffes des Langhauses eingefügt worden.

Das nach Profanierung der Kirche 1838 ausgebaute mittelalterliche Querhaus-Nordfenster gelangte über die Kapelle des herzoglich braunschweigisch-lüneburgischen Schlosses in Blankenburg vor dem Ende des Zweiten Weltkireges auf die Marienburg bei Nordstemmen und wurden schließlich vom Welfenhaus dem Kloster Amelungsborn 1964 zurückgegeben.[20]

Dieses zwölfteilige Fenster habe "in kräftiger Farbigkeit zwölf Vorfahren Christi" in Glasbildern dargestellt, "bärtige Männer, die in mit Weinlaub umrankten Medaillons thronen".

Die Glasbilder sollen einer Folge von rund alttestamentarischen 60 Figuren des Stammbaumes Chrsiti nach den Evangelisten Lukas und Matthäus angehört haben, des "ausführlisten derartigen Zyklus der deutschen Glasmalerei".[17] [20]

Dem 1945 zerstörten Ostfenster sollen, stilistisch gesehen, die nach Amelungsborn zurückgekehrten zwölf, im 14. Jahrhundert entstandenen Medaillionfenster, welche 1966 in das rechte Seitenfenster des Chorraumes eingebaut worden seien, nahe gestanden haben.

"In dem Maßwerk des Querhaus-Nordfensters, also der ursprünglichen Stätte des Stammbaumes Christi, finden wir oben, höchst ungewöhnlich, zwei Vierpasse übereinander.

Ganz oben thronte hier Christus, darunter aber Maria, die also aus der Ahnenreihe Jesu herausgehoben wurde."[17]

Die "figürliche Art der Amelungsborner Fenster" stelle - ordenshistorisch betrachtet - "ein Anzeichen des Abgehens von der ursprünglichen Regelstrenge" gemäß der Generalkapitel von 1157 (§ 15f. + 21) und 1182 (§ 11) dar.[17]

Die Fenster der Kirche sollten mit farblosem Flachglas und ohne bildliche Darstellungen verglast sein.[20]

Nach dem Generalkapitel von 1157 und 1182 (Bauordnung, 11. Kapitel) waren bunte Glasfenster ausdrücklich verboten:

"Gemalte Glasfenster sollen binnen der Frist von zwei Jahren ersetzt werden; andernfalls fasten ab sofort Abt, Prior und Kellermeister jedem sechsten Tag bei Wasser und Brot, bis die Fenster ersetzt sind."[6]

Für Zisterzienserkirchen geradezu typisch, kamen nach GÖHMANN [20] zu Beginn des 13. Jahrhunderts farblose Ornamentgläser, so genannte Grisaillen [21], in den Gebrauch, mittels Verbleiung mit Ranken-, Zopf- und Flechtmustern zusammengesetzt aus farblosen bis leicht getönten Glasstücken.

Weiterhin führte GÖHMANN aus, dass auch mit Schwarzlot Bänder- und Blattmuster auf die Glasfelder gemalt wurden, eine geometrische Bildlichtkeit, die das ganze 13. Jahrhundert hinweg von "Graustimmungen beherrscht" worden sei.[20]

Nach HEUTGER und WENTZEL zählen die Amelungsborner Kirchenfenster zu den bedeutendsten Deutschlands.[17] [19]


12./13. Jahrhundert - Glasherstellung im Hellental zur Verglasung hochgotischer Maßwerkfenster der Zisterzienser-Klosterkirche zu Amelungsborn?

Die topografische Lage legt einen Zusammenhang zwischen mittelalterlichen Waldglashütten im Hellental - Klosterland als Außenbesitzung im nördlichen Solling (?) -  und dem Kloster Amelungsborn nahe.[4]

Das Kloster Amelungsborn hatte seit dem 13. Jahrhundert Waldbesitz im nördlichen Solling; nach GÖHMANN in Heinade Grundbesitz/Grundrechte.[22][23]

"Ungefer umb das jar Christi 1283" gab es nach LETZNER unter den handwerklich tätigen "Leien bruder" des "Fürstlichen Stiffts Und Closters Amelüngsborn" auch fleißig arbeitende "kunstliche glaser" [14] - wahrscheinlich im Rahmen einer größeren klösterlichen Baumaßmahme bei den "vornehmsten Gebäude".[11]

In wahrscheinlich verlorenen gegangenen Kirchenfenstern sei, neben den beiden Wappen von "Albrechts des fetten, h: zu Brunschweig und Lunenborg und herr zu Gottinge, welchs gemhalin war Rixa Vn Wenden" die "Ebersteinischen und Homborgischen Wape zu sehen" gewesen.[13]  

 

1. Hälfte 18. Jahrhundert - Letzte größere Umgestaltung der Klosterkirche

"In der Sanierung und Umgestaltung des romanischen Langhauses der Amelungsborner Klosterkirche sowie des nördlichen Kreuzgangbereiches" bestand die besondere baugeschichtliche Leistung des bauaktiven Abtes Christian Heinrich Behm (1662-1740) - 11. Abt seit der Reformation (1712-1740).[1][2]

 

2. Hälfte 18. Jahrhundert

Die von Abt Ritmeier (1747-1774) beauftragte, vermutlich zwischen 1750 und 1753 von Georg Johann Erich Herweg (Pastor in Amelungsborn 1749-1753) verfertigte Beschreibung der Klosterkirche und deren Ausstattung weist hinsichtlich der Kirchenfenster aus:[16]

"Über dem Hohen Altar ist ein sehr großes und schön gemaltes Fenster.

Auf dem hohen Chor zu ieder Seite sind 2. kleine Fenster.

In dem rechten Seiten-Gange aber sind 6. und in dem linken Seiten-Gange 3. mittelmäßige Fenster, welche zum Theil gemahlet.

Über der Thür nach dem Kirch-Hofe ist ein sehr großes Fenster, darin verschiedene Bilder gemahlet, und gegenüber nach dem Creutz-Gang ist auch ein großes Fenster. 

Vor dem kleinen Altar in dem mitteln Gange sind oben zu ieder Seite 6. Fenster, und an der Seite der Orgel-Treppe 3. kleine.

Auf der Orgel ist ein großes und mittelmäßig rundes Fenster, wie auch einss über der Thür unten in der Kirche."

 

Um 1800

Den Tageblättern "unserer Reise in und um den Harz", herausgegeben von Carl Gottlieb Horstig (1763-1835), ist für den 03. September 1803 zu entnehmen [3], dass die "Glasmahlereyen an den Fensterscheiben der Kirche zu Amelunxborn ... wegen der ungewöhnlichen Frischheit und Lebhaftigkeit der Farben die Aufmerksamkeit aller Freunde der Alten Kunst ..." verdienen.

Hierzu führt GÖHMANN [5] aus, dass 1637 noch 12, hingegen um 1800 nur noch 9 Fenster "mit gemalten Scheiben" erwähnt werden, "besonders das große Ostfenster, das 42 Bildfelder mit Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi zeigte, sowie ein hohes Fenster mit dem Stammbaum Christi in 60 Figurentafeln über der Totenpforte im nördlichen Querschiff.

Im 14. Jahhundert entstanden, galten sie als bedeutenste Glasbilderzyklen ihrer Zeit.

Nach früheren Verlusten wurden sie bis auf 12 Glastafeln im 2. Weltkrieg zerstört, die 1828 in die Schloßkapelle in Blankenburg transloziert, 1945 auf der Marienburg bei Hannover in Sicherheit gebracht und dem Kloster 1966 zurück gegeben sind."

 

 

„Back Hauß“ & „Brau-Hauß“ 1729 ⎸1756 - Zu Zeiten von Herzog Carl I. eng benachbarte Gebäude

Im Zisterzienserkloster Amelungsborn wurde im 18. Jahrhundert Brot im „Backhaus“ gebacken und Bier im „Brauhaus“ gebraut, das in den Krügen der Klosterdörfer ausgeschenkt wurde.

Nach GÖHMANN [18] deuten der Braumeistergarten („Brau Meister Garte“) sowie die Flurbezeichnung Hopfengarten westlich der Klostermauer  auf das Bierbrauen hin.

Dem hingegen sei aber unbekannt, ob im Kloster bereits vor der Reformation Bier gebraut wurde, „zumal das Kloster in seinem Einbecker Stadthof das Braurecht besaß“.

Der dann 1756 unter Herzog Carl I. erstellte Plan des Klosters Amelungsborn weist eng benachbart aus

  • (№6) „Das Back-Haus“
  • (№7) „Das Bier-Brau-Haus“
  • (№8) „Das Brandtwein Brauhaus“

Demnach wurde nunmehr im Kloster - neben Bier - auch Branntwein zum Ausschank in den Kloster-krügen hergestellt.

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] GÖHMANN 2004, S. 9.

[2] GÖHMANN 1991, S. 43-44 Legende 14) A.

[3] GÖHMANN 2004, S. 75.

[4] GÖHMANN 1982, S. 50, 109-115.

[5] GÖHMANN 2004, S. 76 Legende 67).

[6] GROSSE BAUDENKMÄLER. Heft 338. 5. Aufl.. München, Berlin 1998, S. 12-14.

[10] HEUTGER 1968, S. 12-24.

[11] nach LETZNER: "Kürtze Beschreibüng des Fürstlichen Stiffts Und Closters Amelüngsborn" in GÖHMANN 1991, S. 17.

[12] GÖHMANN 1991, S. 15, 18, 20-23.

[13] GÖHMANN 1991, S. 17-18.

[14] vermutlich Fensterglaser, aber auch (Roh-)Glasverarbeitende.

[15] Siegfried IV., Graf von Northeim und Bomeneburg; GÖHMANN 1991, S. 20-21.

[16] zit. in GÖHMANN 1991, S. 53.

[17] HEUTGER 1968, S. 35-36 - mit Hinweis auf H. WENTZEL: Gotische Glasmalereien für Amelungsborn. Pantheon. Internat. Zeitschr. für Kunst III 1965, S. 139-145.

[18] GÖHMANN 1991, S. 45, 62-64.

[19] WENTZEL 1965, S. 139-145.

[20] GÖHMANN 1982, S. 50-51.

[21] Als Grisaille wird eine Malerei - auch Glasmalerei - bezeichnet, welche ausschließlich in den Farbtönen grau, weiß und schwarz ausgeführte wurde.

[22] GÖHMANN 1982, S. 109-110 (Nr. 39).

[23] GÖHMANN 1982, S. 120, 122 - im 16. Jahrhundert: Gerechtsame 1580 Heinade: einige Morgen Land und Wiesen; im 17. Jahrhundert: Gerechtsame 1675 Heinade: eingige Morgen Besitz von Land und Wiesen.