Natur, Geschichte & Kulturlandschaft des Sollings - Waldgebiet des Jahres 2013

Ein historisch gewachsener Kulturwald

 

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Das über 38.000 Hektar große Waldgebiet des Sollings wurde im Jahr 2013 als Waldgebiet des Jahres ausgezeichnet.

Seine Geschichte und Entwicklung wurde maßgeblich von der vielfältigen Waldnutzung und deren Geschichte geprägt – vom späten Mittelalter bis in unsere Zeit des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Das geschlossene Waldgebiet ist mit über 500 Höhenmeter die zweithöchste Erhebung in Niedersachsen, geprägt von

  • einer hohen Niederschlagsmenge im Hochsolling (bis zu 1.000 mm Niederschlag pro Jahr), einhergehend mit einem eher humiden Klima,
  • der Rot-Buche (Fagus sylvatica).

 

Der „sagenhafte“ Solling

Das südliche Niedersachsen ist von einem waldreichen Berg- und Hügelland mit Tälern, Becken und Höhenzügen geprägt, wobei das Buntsandsteingebiet zu den Besonderheiten zählt.

Der annähernd kreisrunde, etwa 20 km im Durchmesser große Mittelgebirgszug des "Söllings" ist ein Teilgebiet des südniedersächsischen Berglandes bzw. Weserberglandes.

Das „schöne Waldgebirge“ war „nach dem Harze die bedeutendste Erhebung“ des ehemaligen Braunschweiger Landes.

„Die Oberfläche des von allen Seiten sanft ansteigenden Gebirges bildet eine weite Hochebene, über welche die flachen Kuppen der Berge emporragen“.[15]

Die höchste, kaum erkennbare Erhebung ist mit 528 m üNN die „Große Blöße“ im Obersolling.

Im Scheitel vom Mittleren Buntsandstein gebildet, besitzt dieser, trotz relativ deutlicher Höhendifferenzen, „ganz den Charakter einer einförmigen, gipfellosen Hochfläche“.[16]

 Massige Bänke des nutzbaren Bausandsteins wurden früher und werden noch heute als Bau-Werksteine genutzt.

Der Solling ist noch heute eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Deutschland.

Nach LICHTENHAHN [18] sollen die Rodungen der Sollingtäler wahrscheinlich bereits im frühen Mittelalter erfolgt sein.

Möglicherweise könnte dies auch für das große nördliche Sollingtal, das Hellental, gelten.

Am Ausgang des Mittelalters bis zur frühen Neuzeit erlangte hier nur die Glasherstellung in zahlreichen „Wanderhütten“ eine überregionale wirtschaftliche Bedeutung.

Ansonsten herrschten die Forst- und Landwirtschaft und das direkt daran gebundene Verarbeitungsgewerbe auf Grund des eingeschränkten regionalen Naturpotentials vor.

Kurz sei eingangs auch darauf hingewiesen, dass sich der Solling und seine Randgebiete - wie das übrige Weserbergland - auch als alte, vorwiegend bäuerlich geprägte Kulturlandschaft auszeichnet, in der über Jahrhunderte hinweg heute weitgehend vergessene Sagen und Märchen mündlich überliefert wurden.

So konnte in der Region des niedersächsischen Berglandes ein wertvoller Sagenschatz mit zahlreichen Sagenfiguren entstehen.

Der dominierende, dichte Wald mit seinen angrenzenden Naturräumen und seine Bewohner*innen stehen dabei hauptsächlich im Mittelpunkt jener mythisch-magischen Geschichten und Volkserzählüberlieferungen, die letztlich um Geheimnisse des menschlichen Lebens kreisen.[17]

Der Grenzraum der „Hellental-Merxhausener-Senke”, insbesondere aber die Orts- und Sozialgeschichte des mittelalterlichen Bauerndorfes Merxhausen sowie des Glasmacherortes und späteren Arbeiter- und Handwerkerdorfes Hellental, sind tief eingebettet in die niedersächsische, vormals Braunschweiger Landesgeschichte.

Das kleine Bergdorf Hellental und seine Einwohner*innen wurden von ihr seit Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die heutige Zeit nachhaltig prägend beeinflusst.

 

Zum Begriff der Kulturlandschaft

„Eine Kulturlandschaft ist eine vom Menschen gestaltete Landschaft, deren ökonomische, ökologische, ästhetische und kulturelle Leistungen und Gegebenheiten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, die eine kontinuierliche Entwicklungsdynamik gewährleistet und langfristig geeignet ist, Menschen als Heimat zu dienen.“[1]

 

... im Solling

 

Sollingtal Hellental

Die Landschaft des Sollingtales Hellental wurde vormals und wird noch heute im steten Wandel sowohl von natürlich bestimmten als auch von menschlich geprägten Prozessen fortlaufend verändert.

So entstand in zurückliegenden Geschichtsepochen eine einzigartige Kulturlandschaft innerhalb des Sollings im Weserbergland.

Menschen prägten über Jahrhunderte hin aus ökonomischen wie sozialen Gründen das heutige Landschaftsbild, die besondere historische Kulturlandschaft des Hellentals.

Im Verbund mit den beiden Kultureinrichtungen Museum im Backhaus ⎸Hellental und Museumshaus WALD|GLAS|DORF|analog vermittelt der Graslandpfad Hellental die natürlichen und kulturhistorischen Besonderheiten des Naturschutzgebietes Hellental und des gleichnamigen Glasmacherortes im Solling. 

Entlang des Solling-Baches Helle führt zudem die LebensRaumRoute (LLR) Wiesental/Hellental durch das Naturschutzgebiet Hellental sowie die LRR Hochmoor/Mecklenbruch durch das gleichnamige Naturschutzgebiet.

Aus einem Mosaik aus Wiesen und Weiden bestehend ist das Grünlandtal ein wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten des Sollings - im Naturpark Solling-Vogler (Interaktives Naturparkbuch).

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] NHB 2003, S. 20 ff.

[2] 3sat Mediathek, Sendung vom 27. April 2017.

[3] KÜSTER ist Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover und gilt als Experte für Kultur und Geschichte des Waldes.

[4] Abb. in LESMANN 1984, S. 4.

[15] KNOLL/BODE 1891, S. 89.

[16] TACKE 1943, S. 10.

[17] u.a. PETSCHEL 2001.

[18] LICHTENHAHN 2005, S. 5.