Glossar

einschließlich von Orts- & Flurbezeichnungen

 

Allgemein

  • Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

  • Glossar - Topografie der Erinnerung (Gedenken & Erinnern in Südniedersachsen)



 

Dorfregion 2.0: Heinade ⎸Hellental ⎸Merxhausen

Zur Deutung verwendeter Quellenbegriffe kann das übersichtliche Glossar von RÖHRBEIN, HEINZ GEORG herangezogen werden: „Quellenbegriffe des 16. bis 19. Jahrhunderts“. Hildesheim 1991 (Schriften zur Heimatpflege; Bd. 5).

 

A


Allmende

nicht an einzelne Bauern zur Individualbewirtschaftung vergebene Flächen, sondern von Berechtigten des Dorfes gemeinschaftlich genutzte Wald- und Weideflächen (Gemeinheit); Dorf-/Gemeindeflur (Anger, Trift Wiese, Weide, Wald, Ödland)

 

Allod

kaiserlicher, herzoglicher oder bischöflicher Eigenbesitz innerhalb des eigenen Herrschaftsgebietes

 

Altarist

ausgewählte Männer der Gemeinde zur Beaufsichtigung und Verwaltung des Kirchenvermögens; „Kirchenvorsteher“ und Altardiener

 

Amt

in den (weltlichen) welfischen Fürstentümern seit dem 16. Jahrhundert unterste Instanz der landesherrlichen Verwaltung und Gerichtsbarkeit; meist Leitung durch bürgerlichen Amtmann; allgemeine Verwaltung des landesherrlichen Eigenbesitzes (auch Domänenverwaltung) und niedere Gerichtsbarkeit

 

Anbauer

neue, typische ländliche Schicht der zunehmenden Industrialisierung; durften ein Haus im Dorf bauen, blieben aber ohne weitergehende Ansprüche; mit privatem Hof-, Garten- und Wiesenland ausgestattete Neusiedler auf staatlichem Forstgrund (wie in Hellental), jedoch ohne eigens Ackerland; Arbeiter und Handwerker (z.B. Leinenweber, Waldarbeiter), Tagelöhner

 

aufbansen

aufschichten (z.B. Holzstücke)

 

Artefakte

bearbeitete Feuersteine

 

Ass.-№

Assekuranznummer = Brand-Assecurations-Nummer, Versicherungsnummer (Nro. assec., Nr. Ashecurationis);

Benummerung der Landesversicherungsanstalt Braunschweig (örtliche Hebeliste, „Brandversicherungs-Catastrum“); im Prinzip fortlaufende Nummerierung der Häuser in bestehender Reihenfolge auf einer Straßenseite, rücklaufend auf der gegenüberliegenden Straßenseite; jeweils neue Assekuranznummer für neu errichtete Gebäude (Ass.-№ nach Baujahr);

am 18. Juli 1753 erlassene Verordnung von Herzog Carl I. zum „Neuen Anbau auf dem Lande”, im gleichen Jahr Etablierung der Brandversicherungs-Gesellschaft als landschaftliche Einrichtung unter landesherrlichem Schutz (heute „Öffentlichen Versicherung Braunschweig”), die ab dem 01. Juli 1754 als Leistungsträger zum Zweck des Schadensersatzes für Brandgeschädigte tätig wurde; früher kassierten die Gemeinden die Beiträge zur Zwangs-Monopol-Gebäudefeuerversicherung der Braunschweiger Versicherungsanstalt

 

B

 

Bike, Beek(e)

der auf ein Gewässer hindeutende Name Be(c)k(e) erscheint oft als niederdeutsche Bezeichnung für einen Bach (→ „Steinbike“, „Steinbeeke“); der topografische Begriff findet sich häufiger als Orts- bzw. Dorfname wie auch als Nachname im Spätmittelalter (z.B. Familie Steinbeke); ein Naherholungsgebiet in Bad Lippspringe wie auch ein Forstbetriebsbezirk mit Naturpfad des Forstamtes Paderborn trägt noch heute diesen Namen

 

Blöße

vorhandene Fehlstelle in einem ansonsten geschlossenen Forstbestand, aber auch allgemein für eine Fläche, die nur wenig bestockt war; Blößen wiesen typischerweise eine dicke wie dichte Vegetationsdecke aus Moos, Heidelbeersträuchern, Gräsern und Farnen auf, bestanden mit einzelnen alten Eichen, Buchen oder Buchenhörsten; vergl. „Große Blöße“ als höchste Erhebung des Sollings (528 m üNN)

 

Bötticher 

Handwerk des Bottichmachers; der (Groß-)Böttcher stellte zusammengebundene Holzgefäße her (Daubengefäße), der Kleinböttcher hingegen kleinere Böttcherwaren

 

Born

altes nord- und westdeutsches Wort für Quelle

 

Bouteillen

landesübliche grüne Formflaschen, Verkaufsflaschen für Bier, Wein, Brandwein oder Essig

 

Brandkasse

Versicherung gegen Feuerunfälle; im 18. Jahrhundert mit Brandkataster aus dem allgemeinen Versicherungswesen entstanden;

Eigentümer waren gehalten, ihr Haus sowie alle dazu gehörenden Gebäude bei einer Brandkasse versichert zu lassen, wobei sich die Höhe der Versicherungssumme nach der Größe und dem Wert des Gebäudes richtete (→ Ass.-No.)

 

Brink

gemeindeeigenes Gelände am Dorfrand; das niederdeutsche Wort „Brink“ wird auch als Grashügel, Anhöhe, Rain, unbebautes Land u.a. interpretiert, wobei sich zahlreiche Flurnamen wie auch Familiennamen (Brinkmann) daraus bildeten

 

Brinksitzer

Sozialtypus der Schicht der ländlichen Bevölkerung; geringste Besitzklasse im Dorf (untere Sozialschicht, untere Bauernklasse, unterbäuerliche Schicht); ein Hauptmerkmal war die Nebentätigkeit; besaßen oft ein eigenes Haus; Inhaber gegründeter kleiner Hofstellen am ungünstigen Ortsrand, mit kleinem dörflichem Grundbesitz (Wohnhaus mit kleinem Anwesen, wie Garten); verfügten nicht über Ackerland, ggf. aber über Wiesenland (1-5 Morgen); Weideberechtigung; hauptsächlich gewerblich-handwerklichen Berufen (z.B. Drechsler, Hausschlachter, Schuster, Sägeschneider) als Zuerwerb nachgehend, aber auch pflichtgemäßen Hand- und Spanndiensten; Tagelöhner

 

Bronze

in der Bronzezeit (2.200-1.200 v.Chr.) Zinnbronze: Kupferlegierung mit dem Legierungszusatz Zinn (9 Teile Kupfer, 1 Teil Zinn) zur Herstellung von Werkzeugen, Waffen und Geräten

 

-bruch, Bruch

alter hochdeutscher Begriff für Sumpf, Morast, sumpfigen Platz, aber auch für eine Linienbezeichnung, im 12. Jahrhundert Bezeichnung von Grenzfluren im Solling (z.B. Hülsebruch, Mecklenbruch); auch für mit Wald oder Busch bestandene sumpfige Niederung

 

Buil

Beutel

 

C

 

Camp

auch Kamp; altes Wort für eingefriedetes Landstück, größeres Weide- oder Ackerland, gehegtes Waldstück oder kleines, eingehegtes Landstück; im Hellental: Auf den Salz-Cämpen, Auf den Cämpen

 

Corpus bonorum

das Einkünftebuch der Landeskirche; Haupt- und Lagerbuch der Kirche

 

D

 

-dal

alte, niederdeutsche Bezeichnung für Tal

 

Dienste

gegenüber den Grundherren (Landesherr, Adel, Kirche) bestanden meierrechtliche Pflichten, zu denen - neben Geld- und Naturalabgaben - auch Dienstverpflichtungen zählten; dabei gab es ordinäre (angemessene) und extraordinäre (ungemessene) Dienste

 

Dreiviertelsänner

Hofbesitzer/Ackerhof mit ca. 70 Morgen Ackerland

 

E

 

Endemie, endemisch

zeitlich unbegrenzte, nicht erlöschende und damit ständige Häufung einer Infektionskrankheit innerhalb einer Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppe in einer umschriebenen Region, aber auch das regelmäßige Wiederauftreten einer Infektionskrankheit in einem Gebiet (Seuche)

 

Epidemie/Pandemie

epidemisch/pandemisch 

eine Epidemie ist durch ein massenhaft gehäuftes, räumlich wie zeitlich begrenztes Auftreten einer Infektionskrankheit innerhalb einer Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppe gekennzeichnet (beobachtete Fallzahl > erwartete Fallzahl); eine geografisch unbegrenzte, globale Epidemie wird als Pandemie bezeichnet; bei Epidemien können besondere Verlaufsformen unterschieden werden

 

F

 

Fabrik

Entstehung Ende 18. / Anfang 19. Jahrhundert; neben der zurückgedrängten menschlichen Arbeitskraft steht zunehmend die Energiearbeitskraft, gekennzeichnet durch die Dampfmaschine

 

Farkensiek

weite, ehemals mit Wald bestandene Fläche

-si(i)k, -siek: feuchte, sumpfige Niederung; farken: ostfälisch für Ferkel

 

Feuerstein

wichtiger Rohstoff zur Werkzeugherstellung; glasiges Kieselgestein (Quarzart), besonders in den kalkhaltigen Ablagerungen der Kreidezeit vorkommend; liegt in verschiedenen Varietäten vor (unterschiedliche Dichte, Farbe, Fremdpartikeleinlagerungen); der oberkreidezeitliche Feuerstein wird auch Flint (englisch) oder Silex (französisch) bezeichnet, Abart des Jaspis, eines undurchsichtigen, meist intensiv gefärbten Chalzedon, der seinerseits eine durchscheinende, matt glänzende Abart des Quarzes ist (Bruchstücke in glazialen Sedimenten); Flintstücke weisen einen muscheligen Bruch auf und sind scharfkantig; Vorkommen in Deutschland: u. a. auf der Insel Rügen, in den eiszeitlichen Ablagerungen in Norddeutschland.

 

Flachglas

Sammelbegriff für alle in flacher Form hergestellte Gläser

 

Flachs

alte Blütenpflanzen zur Leinenherstellung

 

Flachsrotten

verbliebene Bodenrelikte der jahrhundertealten Kultur und Verarbeitung von Flachs (Lein) zur textilen Bedarfsdeckung, u.a. zur Bekleidung; meist handelte es sich um stehende Gewässer, mehrere kleinere Tümpel bzw. angelegte wassergefüllte „Rottegruben“ im Bereich von Gräben oder kleineren Bächen; alte „Flachsrotten“ fallen heute, wenn überhaupt, nur noch durch ihre Bodenstrukturen auf (Heinade, Hellental)

 

Flaschenglas

ungeläutertes und daher dunkelgrünes oder braunes Glas → Waldglas

 

Flickschuster 

auch: Altflicker; ohne eigene Werkstatt; ging mit seinem Werkzeug in die Wohnhäuser, um dort Schuhe zu flicken, zu reparieren; er durfte aber selbst keine Schuhe herstellen

 

Flint

→ Feuerstein (Silex)

 

Freiblasen

Formgebung eines Glasobjektes an der → Glasmacherpfeife durch Drehen, Schwenken, Schleudern und Einfluss der Schwerkraft

 

Friedhof

altdeutsch Freithof, galt ein eingefriedeter Hof, ein durch die Umschließung geschütztes Areal oder Schutzhof, eine befriedete Asylstätte; es war alter indo-germanischer Brauch, durch einen Zaun oder eine Mauer den Friedhof zu umschließen, um ihn so einerseits vor Störungen gegen außen zu schützen, aber andererseits auch zum Schutz vor den Toten; im 18. Jahrhundert wurden alte Kirchhöfe umgelegt, so dass Begräbnisse fast nur noch auf freien Feldern außerhalb einer Siedlung erfolgten

 

Frühe Neuzeit

umfasst den Zeitraum von etwa 1500–1800 n.Chr., die Übergangszeit zwischen (Spät-)Mittelalter und Neuzeit

 

G

 

Gemeinheit

→ Almende

 

Genealogie

systematische Beschäftigung mit der Familiengeschichte mit der Zielsetzung der Ermittlung von Namen und Lebensdaten miteinander verwandter Personen (Familiengeschichtsforschung)

 

Gewerbe

Gesamtheit der nicht-landwirtschaftlichen Produktion; eine Sparte davon ist das → Handwerk

 

Glas

chemisch-physikalisch: unterkühlte/erstarrte Schmelze unterschiedlicher Zusammensetzung, die amorph-homogen aufgebaut ist, jedoch nicht kristallin

 

Glasbruch

Glasscherben, die dem → Glassatz beigegeben werden, um den Schmelzvorgang zu erleichtern

 

Glasfritte

vorgeschmolzenes Rohglas

 

Glashütte Steinbeke

 die Angaben zum Hüttennamen variieren im historischen Schrifttum und in der Sekundärliteratur: Glashütte Zur Steinbeke, Glashütte in Steinbeck, Glashütte Steinbeke, Glashütte in der Steinbeke, Steinbecker Glashütte, auf der Steinbeke, auff der Steinbekischen Glase Hütte, Höllthaler Glashütte, zur alten Hütte

 

Glasmacherpfeife

hohles Eisenrohr von ca. 1,0–1,5 m Länge mit erweitertem Ende zur Aufnahme von Glasschmelze (→ Glasposten) an der einen und einem Mundstück mit Holzgriff für den Glasbläser auf der anderen Seite

 

Glasposten

die für einen definierten Arbeitsgang benötigte und aus dem → Hafen entnommene Glasmenge

 

Glassatz

die zur Glasschmelze vorbereitete Substanzmischung (nach geheimer Rezeptur)

 

„Die Grenze“

Mittelgebirgsbach „Helle“; schnell fließender Grenzbach in der Talsohle des Hellentals

 

-grund

alte Bezeichnung für Vertiefung, Tal

 

Grundherr

der Landesherr und seine Beamten, niederer Adel und Kirche (Klöster); in der Tradition der mittelalterlichen Ständeordnung; später auch Städte und städtische Bürger; der Grundherr vergab sein Land an Bauern in Erbpacht gegen Zinsgeld, Naturalien und Dienste (→ Meierrecht)

 

H

 

Hafen

feuerfestes/hitzebeständiges Keramikgefäß zur Glasschmelze (Glashafen); Schmelztiegel; von dem Herstellungsprodukt des Töpfers hergeleitet (technische Keramik)

 

Halbspänner, Halbmeier

Hofbesitzer/Ackerhof mit etwa 50 Morgen Ackerland / Hof mit 2 Hufen; nur halbe Spanndienste eines Vollmeiers, daher auch „Halbmeier“ ab der Mitte des 16. Jahrhunderts genannt

 

Handwerk

selbständige Produktion von (mit der Hand hergestellten) Waren für einen bestimmten, meist persönlich bekannten Kunden nach dessen Auftrag

 

Häusling

Sozialtypus der Schicht der ländlichen Bevölkerung (auch Einlinge genannt); steuerpflichtig Abhängige, Landlose, ohne eigenen Grund- bzw. Hausbesitz; „Mieter” im heutigen Sinne mit eigenem Hausstand; vielfach als Tagelöhner tätig

 

Heede

„Abfallprodukt“ der Flachsaufbereitung (Werg); beim Hecheln entstehende kurze Faserreste für grobes Gewebe minderer Qualität (u.a. zur Herstellung von Säcken und Seilen)

 

Hellentaler Grund

Wiesenflächen im oberen, südwestlichen Hellental; Tallage der alten Gesamtflur

 

Hoch- und Spätmittelalter

umfasst den Zeitraum von etwa 900-1500 n.Chr.

 

Hochmittelalter

umfasst den Zeitraum des 10.-13. Jahrhunderts n.Chr.

 

Hohlglas

alle Glasformen, bei denen eine mehr oder minder starke Wand einen Hohlraum umgibt, im Gegensatz zum Flachglas → z.B. Trinkgläser, Flaschen

 

-holz

eher seltenes, sich auf Wald beziehendes Namenselement

 

Hufe

(„mansus“) alte Wirtschaftseinheit, Bezeichnung für bäuerliche Hofstelle mittlerer Größe (ca. 30 Morgen), also ursprünglich kein Land- oder Flächenmaß; nach der Hufenzahl richteten sich die bäuerlichen Abgaben und Dienste an/für den Grundherren; später Flächenmaß von überschlägig 30 Morgen = ca. 7,5 ha

 

K

 

Kamp

→ Camp

 

Köt(n)er 

(auch: Köt(h)er, Kot(h)sassen); Inhaber von Hofstellen, die im 13. Jahrhundert vornehmlich in nds. Kleindörfern entstanden sind; nur mit wenig Land ausgestattet und nur mit geringen Naturalabgaben belegt; wesentliches Merkmal war die Hofstelle mit Garten, hingegen nicht der Besitz von Ackerland; Großköter: ca. 40 Morgen Ackerland, Halb- und Kleinköter

 

Koppel 

eingezäuntes (Weide-)Land

 

Kreuger

Krüger, niederdeutsch für (Gast-)Wirt; u. a. auch Familienname; vergl. Gaststätte und Restaurant „Zum Kreuger“ in Holzminden-Silberborn

 

Krug

Dorfkrug oder Dorfschenke mit Bierausschank; niederdeutsch für frühere Gastwirtschaft mit landesherrlich verliehenem Krugrecht

 

Kühlofen

um Spannungen zu verhindern, muss ® Glas nach seiner Fertigstellung am Ofen über einen längeren Zeitraum stufenweise auskühlen

 

Külbel 

der erste für ein Glaswerkstück dem Schmelzofen entnommene und ausgeblasene → Glasposten

 

L

 

-la

eher seltenes, sich auf Wald beziehendes Namenselement

 

Legge

„leggen“ = Leinwand hinlegen und ausbreiten auf einem Messtisch; ab dem 18. Jahrhundert jener Ort, an welchem unter amtlicher Kontrolle die haupt- oder nebenberuflich hergestellte Leinwand gelegt, gemessen, gebunden und gestempelt wurde (Leggeanstalt mit Leggepersonal); auch Aufsicht über Qualität und Preis

 

Lehen

(lat.: feudum), mittelalterlich (etwa 10.–15. Jahrhundert); ein meist erbliches und auf Lebenszeit zur Nutzung eines fremden, verliehenen Gutes - als Erbsitz gegen Dienste oder Entgelte (Amts-, Land-, Kammerlehen); das Lehensverhältnis beruhte auf einem Vertrauensverhältnis zwischen dem Leihenden, dem Lehnsherrn, und dem Beliehenen, dem Lehensmann; der Lehnsherr leistete „Schutz“ (Rechtsschutz) und „Schirm“ (Unterstützung, ggf. auch bewaffnete) und im Gegenzug verpflichtete sich der Lehensnehmer zu „Rat“ (Teilnahme an Beratungsgremien) und „Hilfe“ (Waffenhilfe in den Streitkräften des Lehnsherrn)

 

Leibzüchter 

Leibzucht: Synonym für Altenteiler, ohne eigenen Haushalt; Altenteil zur Altersversorgung; Versorgung der Elterngeneration (bei Hofübergabe)

 

Letalitätsrate

das Verhältnis (in %) der Anzahl in einem bestimmten Zeitraum an einer bestimmten (übertragbaren) Krankheit Verstorbenen an der Gesamtzahl der an dieser (übertragbaren) Krankheit erkrankten Personen wird Letalitätsrate genannt; Anteil von Todesfällen pro erkrankte Personengruppe

 

-lith

alte Bergbezeichnung für Berglehne oder Bergabhang

 

M

 

Manufaktur

im größeren Maßstab erfolgende Produktion von Waren für einen anonymen Markt, mit Zerlegung in einzelne Arbeitsgänge

 

Meier, Meierrecht

frühe Siedlungsschicht; Inhaber („Verwalter“) eines vom Besitzer oder Lehensmann zu alten Meierrechten vergebenen Altbauernhofes („Ackerhof“) in Lebenszeiterbpacht und Anerbenrecht; eingesetzter freier Bauer; ab dem 17. Jahrhundert wurde diese Ackerleute „Meier“ genannt; der Hof eines Meiers umfasste das meiste und zugleich beste Ackerland; die Hofstellen lagen an günstigsten Plätzen des Dorfes; der „Meierhof“ war ein Vollerwerbsbetrieb mit etwa 100-120 Morgen Ackerland; das Meierrecht ist ein mehrfach verändertes Pachtrecht, wonach bereits im Spätmittelalter einem „Meier“ Land gegen die Leistung von Pachtzinsen und Diensten überlassen worden war; der Meierzins war gegenüber dem Grundherrn zu entrichten.

 

Merkantilismus

modern-ökonomisch: Leistungsbilanzüberschuss/Außenhandelsüberschuss - Zu ihrer staatlichen, frühkapitalistischen Einnahmesteigerung förderten Fürsten ihre heimischen (inländischen) Manufakturen und Monopolbetriebe zur Herstellung von Exportprodukten, wohingegen Importe verboten bzw. mit hohen Zöllen (Importzölle) belegt wurden.

 

Mesolithikum

Mittelsteinzeit (8.000-5.500 v.Chr.), begann mit dem Ende der letzten Eiszeit zwischen 8.500 und 8.000 v.Chr.

 

Mikrolithe

Kleinsteingeräte, kleine Feuersteinartefakte (Altsteinzeit, insbesondere Mittelsteinzeit)

 

Ministerialen

Burgbedienstete

 

Model

Form (z.B. aus Holz, Keramik, Metall) zur Gestaltung von geblasenen, gegossenen oder formgeschmolzenen Glasgefäßen

 

Morbiditätsrate

das Verhältnis (in %) der Anzahl bestimmter (übertragbaren) Erkrankungsfälle zur Anzahl der gesunden Gesamtbevölkerung innerhalb eines definierten Beobachtungszeitraumes (Erkrankungsrate)

 

Mortalitätsrate

das Verhältnis (in %) der Anzahl von Todesfällen an einer bestimmten (übertragbaren) Erkrankung zur Anzahl der gesunden Gesamtbevölkerung innerhalb eines umschriebenen Beobachtungszeitraumes (Sterberate)

 

Mühlenzwang

landesherrlich vorgegebene Zuordnung von Dörfern zu bestimmten Mühlen

 

N

 

Neuzeit

umfasst den Zeitraum von etwa 1500-1900 n.Chr.

 

Nuppen

dicke, an der Außenwand eines Glases angeschmolzenen Glastropfens

 

P

 

Parochie

Pfarrei; unterster selbständiger, räumlich bzw. personell abgegrenzter Seelsorgebezirk

 

Pfuscher

nichtzünftiger Handwerker auf dem Land, der die vorgeschriebene Ausbildung nicht ordnungsgemäß absolviert hatte; diffamierende Bezeichnung für zuarbeitende Hilfskräfte und Nebengewerbetreibende (Landhandwerker)

 

Prieche

Empore in der Kirche

 

Proto-Industrialisierung

die im 16. Jahrhundert beginnende, allmählich fortschreitende gewerbliche Durchdringung ländlicher Räume; halbproletarische wie bäuerliche Wirtschaftsform

 

Puchmühle, Pochwerk

Betriebsanlage (Mühle) zur Zerkleinerung und Anreicherung geförderter Quarzbrocken (Erze) bis zur Sandkorngröße („Kiesstampfe“), ebenso von Porzellangrundstoffen

 

R

 

Rauchhuhn

Rauch = Feuerstätte; durch Räuchern haltbar gemachtes Huhn, das jährlich an das Amt in Anerkennung des Gerichtsschutzes für den eigenen Haushalt abgegeben wurde

 

S

 

Schorbornsteich

alter Fischteich, vormals Forellenteich des Klosters Amelungsborn; wie viele andere Nachbarorte war auch der alte Ort Schorborn (Scorenburnen) während des Mittelalters wüst geworden

 

Separation

Absonderung, Flurbereinigung, Teilung des ehemals gemeinsamen dörflichen Landbesitzes; insbesondere Aufteilung der → Allmende auf die vormaligen nutzungsberechtigten Personen; hierdurch verbesserte landwirtschaftliche Nutzung der alten Dorf- und Feldmark

 

Silex

→ Feuerstein

 

Sollinghaus

der Begriff der Bauweise „Sollinghaus” wurde von Erika REDDERSEN 1934 eingeführt; in Hellental: schlichte, zweigeschossige, traufenständige Fachwerkhäuser zum Wohnen und Wirtschaften ehemals staatlich geförderter Anbauer (Waldarbeiter, Leinenweber, andere Gewerbetreibende); heute sind die meisten halbmassiven „Sollinghäuser” im Hellentaler Oberdorf durch Neu-, Um- und Anbaumaßnahmen wesentlich baulich verändert; einige der „Sollinghäuser” wurden zudem durch Scheunenanbauten ergänzt

 

Spätmittelalter

umfasst den Zeitraum des 13.-15. Jahrhunderts n.Chr.

 

Steinbeke 

in Hellental auch mundartlich „Steinbike“ genannt; wird als „Steinbach“, „steiniger Bach“ interpretiert (Bach = „Bike“, „Beck“, „Beeke“); in Hellental befindet sich als Verbindungsweg („Padweg“) von der Sollingstraße zum Straßenzug Zum Winkel ansteigend ein relativ steiler Grasweg, der noch heute als „Steinbeeke“ oder „Steinbike“ bezeichnet wird

 

-strang

 alte, seltene Bergbezeichnung

 

Subsistenz

Aufrechterhaltung des primär physischen, aber auch sozial akzeptablen Existenzminimums; Subsistenzkrisen gab es in Folge von Klimaveränderungen, Missernten und Kriegen

 

T

 

Tagelöhner

Sozialtypus mit hauptsächlich ungeschützten, ungesicherten Arbeits- und Lebensverhältnissen, spezifische Form abhängiger Beschäftigungsverhältnisse

 

Trift

Weiderecht; auch der Weg zum Viehtreiben auf die Weide (Hude und Weide)

 

U

 

unehrlich

ausgrenzende Bezeichnung, die auf dem Ehrbegriff des Mittelalters beruhte und u. a. auch gegenüber Leinenwebern und Müllern benutzt wurde; Hintergründe waren vornehmlich besondere Absonderungs- und Ausgrenzungsmechanismen von Gilden und Zünften (Zunftzwang)

 

V

 

Verkoppelung 

das durch das Gesetze von 1842 eingeführte Umlegungsverfahren zur Aufhebung der ursprünglichen Gemengelage (in Verbindung mit der Gemeinheitsteilung); hierdurch erhielt ein Bauer einige größere Ackerflächen zur eigenen Bewirtschaftung, an Stelle vieler kleiner Ackerstücke; Aufteilung der ursprünglich gemeinschaftlich genutzten Weiden und Wälder (Gemeinheiten) und deren Zusammenlegung in parzellierten Feldern

 

Verleger

regelten als Kaufleute abnehmerorientiert die Produktionsgestaltung; beim Verlagssystem gab es drei verschiedene Formen: Lohn-, Kauf- und Zwischenmeistersystem

 

Vollmeier

freier Bauer eines zu alten Meierrechten vom Besitzer/Lehensmann vergebenen größeren Hofes („Ackerhof“); Vollerwerbsbetrieb mit etwa 100-120 Morgen Ackerland

 

W

 

Waldglas

Kaliglas, in Waldglashütten hergestellt; grünlich gefärbtes Gebrauchsglas, wie es beispielsweise in den alten Glashütten im Hellental gefertigt wurde; die grünliche Farbe entstand durch die nicht extra gereinigte und präparierte Mischung der natürlichen Rohstoffe zur Glasschmelze

 

Wüstung

von Bewohnern verlassenes/aufgegebenes mittelalterliches Dorf

 

Z

 

Zehnt, Zehntpflicht

zunächst Abgabe zu Gunsten der Kirche, später fortentwickelt und allgemein eingeführt, wobei die Zehntpflicht in der Regel auf dem ganzen Dorf lag, unbeschadet unterschiedlicher Grundherrschaften; die Berechtigung auf den Zehnten konnte beliebig ihren Besitzer wechseln; der Meierzins war gegenüber dem Grundherrn zu entrichten, während der Zehnte von dem meist außen wohnenden Zehntherren geholt wurde; die Bauern durften erst hiernach die Ernte von ihren Feldern einfahren; Fruchtzehnt (großer Zehnt, Feld-, Kornzehnt): von der Getreideernte (außer Hafer) wurde jede zehnte Garbe gezogen; Fleischzehnt (kleiner Zehnt): jedes zehnte Jungtier, wie Fohlen, Kalb, Ferkel und Lamm, aber auch Gänse, Hühner, Bienenstöcke

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental