Regionales Wirken des Forstmeisters Johann Georg von Langen (1699-1776)

 

Ob seiner großen und vielseitigen Fähigkeiten wurde am 25. September 1745 der Freiherr Johann Georg von Langen (1699-1776) von Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel als oberster Verwalter der Forsten eingesetzt und mit der Aufsicht über die Forsten des entwicklungsbedürftigen Weserdistrikts sowie mit deren Vermessung und Einrichtung betraut.[1]

Als ausgebildetem Forstmeister fand - neben der Holzwirtschaft - die Verwertung von Bodenschätzen und das Manufakturwesen im Rahmen des herzoglichen Landesausbaus sein besonderes Interesse.

 

  

Johann Georg von Langen (1699-1776) - Ölgemälde, um 1750 [16] & Porzellanbüste, um 1760 [17]

Sammlung Museum Schloss Fürstenberg

 

Herzog Carl I. beauftragte seinen Hof-Jägermeister mit der Ordnung der Forsten (Forstreform) rsp. mit der Einführung einer geordneten Forstwirtschaft (Holzindustrie) im braunschweigischen Weserdistrikt, wo er von 1745-1763 wirkte.

Zudem sorgte v. Langen für eine Verbesserung vorhandener Wege und zugleich auch für eine Erweiterung des Wegenetzes.

Hinzu kamen sozialpolitische Akzente zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

Langfristig sollte es hierdurch zu einer Wende in der forstlichen Bewirtschaftung des Sollings kommen und eine moderne Forstpflege eingeführt werden.

Johann Georg von Langen gilt als der Forstmeister, „der die Kenntnisse und das Geschick besaß, die Ideen und Absichten des Herzogs und seines Ministers[2] auszuführen“.[3]

 

Weserrenaissanceschloss Fürstenberg

 

Als Unterkunft diente v. Langen das alte Jagdschloss Fürstenberg, in das er 1745 zur „Vermessung und Bewirtschaftung der herzoglichen Forsten“ übersiedelte.

Mit ihm verlagerte sich zugleich auch das Hauptaugenmerk gewerblicher Planungen und Überlegungen von Herzog Carl I. und seines Ministers Bernhard Schrader von Schliestedt.

Am 30. März 1746 erging ein herzogliches Reglement für die Forsten im Weserdistrikt.

Bis dahin hatte der Sollingwald vornehmlich als Lieferant für Eichenbauholz und Buchenbrennholz für die umliegenden Siedlungen sowie für deren Schweinemast und Fallholz-, Leseholz- und Laubstreusammlung gedient.

Mit seinem weitgehend selbstverantworteten Wirken eröffnete der kenntnisreiche Hof-Jägermeister v. Langen einen „neuen technischen Zeitabschnitt“, einhergehend mit beständigeren Arbeitsmöglichkeiten und Erwerbseinkünften für die erwerbstätige Bevölkerung des Weserdistrikts, da ihm „die ganze Gewerbskunde seiner Zeit geläufig“ war.[4]

Der erfahrene und geachtete Wirtschaftsreformer v. Langen wusste um die Bedingungen eines Produktionsstandortes jener Epoche mit dessen Abhängigkeit

  • von den natürlichen Ressourcen und deren Lage,

  • von der verfügbaren Energie (Holz- und Wasservorkommen),

  • von der Verfügbarkeit geeigneter Arbeitskräfte und

  • von dem Anschluss an ein günstiges Verkehrsnetz zum zügigen Transport der hergestellten Waren.[5]

 

Rationelle Forstwirtschaft

Insbesondere galt die Aufmerksamkeit v. Langens dem Holz zur Verwertung als wertvoller Rohstoff und Energielieferant für Industriebetriebe.

Frühzeitig hatte v. Langen ökologische und ökonomische Zusammenhänge in der Natur und Landschaft des Sollings erkannt.

Als Konsequenz hieraus entwickelte und implementierte er zukunftsgerichtet eine „nachhaltige Nutzungsplanung zur Waldwirtschaft und Waldnutzung“ für die Sollingregion.

Im Auftrag von Herzog Carl I. führte der „Vater der regelmäßigen Forstwirtschaft” nach 1745 im Solling schrittweise eine planmäßige, geordnete, wie auch später kontrollierte Waldbewirtschaftung ein, die rationellere Forstwirtschaft [15] mit planmäßigem Pflanzen und Abholzen von Waldbeständen auf der Grundlage des Waldzustandes und der Nutzungsmenge.

Auf der Grundlage fester linearer Forstortgrenzen bildete v. Langen Flächeneinteilungen, wobei er eine planmäßige Aufgliederung der Waldgebiete des Sollings in Hauptteile und rechteckige oder quadratische Waldstücke („Haie, Heye, Hauungen“) mit Trennung durch geradlinige Schneisen vornehmen und auf einen 50-jährigen Bewirtschaftungsumtrieb einrichten ließ.

So begann man forstamtlich zur Mitte des 18. Jahrhunderts folgerichtig im gesamten Solling mit der künstlichen Waldeinteilung einschließlich Schaffung und Messung regelmäßiger, dauernd feststehender geometrischer Flächen (Wirtschaftsfiguren) mit feststehenden Zeiten von Anwuchs bis Abtrieb (Umtriebszeiten), mit planmäßigem Pflanzen und Abholzen von Baumbeständen.

Hof-Jägermeister v. Langen veranlasste die Aufforstung der Fichte und Lerche im devastierten oberen Solling, auch unter Einbezug von Einwohnern benachbarter Dörfer.

In Folge der gezielten forstwirtschaftlichen Maßnahmen wurde auch die Waldweide erheblich eingeschränkt, alte Hutewälder abgeschafft, der Wald erneuert und die Holznutzung in Eigenregie eingeführt.

Durch jene Maßnahmen erfolgte eine umfassende, aber nicht konfliktfreie Nutzungsplanung für die Braunschweiger Sollingwälder.

Es wurden auch mehr Holzhauer benötigt, was in der Folgezeit auch in Hellental zur verstärkten Ansiedlung von "ordentlichen Holzhauern" führte.

 

Auschnitt aus dem geometrischen Grundriss "derer an den Weser- und Leineflüsse belegenen Landen", 1745/1746 - mit festen linearen Forstortgrenzen und der grenznahen "Hell Thal Glashütte"

Museum Schloss Fürstenberg

 

Gründung merkantilistischer Manufakturen

Johann Georg v. Langen war um die Ansiedlung einer bodenständigen Industrie bemüht und maßgeblich an der Gründung von Grünenplan, Hellental, Schorborn und der Porzellanmanufaktur in Fürstenberg beteiligt.

Als Oberglashütteninspektor beaufsichitgte Oberforstmeister Johann Georg v. Langen zugleich auch die fürstlichen Glasmanufakturen in Holzen und Grünenplan staatlich.

Die von der „Steinbeke“ im Hellental nach Schorborn verlegte Glashütte oblag bis 1756 der Zuständigkeit von Johann Georg v. Langen.[6]

Um die Zeit der Stilllegung der ortsfesten Glashütte „im Hellental am Steinbek“ ließ Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel durch seinen Oberjägermeister v. Langen 1744 die „Fürstliche Spiegelhütte auf dem Grünen Plan“ (Grünenplan) errichten.

Am 07. Oktober 1748 übernahm v. Langen zudem als Direktor auch die Leitung der Fürstlichen Glasmanufactur Schorborn, wie auch die Oberinsepektion über die Fürstliche Spiegelmanufaktur am grünen Platz (Grünenplan) und über die Fürstliche Bouteillenmanufaktur Holzen.[14]

Auf Initiative von v. Langen wurde am 11. Januar 1747 durch Anordnung von Herzog Carl I. im Jagdschloss Fürstenberg eine Porzellanmanufaktur gegründet.[7]

1747-1762 war v. Langen der erste Direktor der Porzellanmanufaktur Fürstenberg.

Die "Porcelainefabrique" schuf Arbeit im verarmten Weserraum.

Darüber hinaus wurden Arbeiterwohnungen errichtet und es gab eine Witwen- und Waisenkasse, zudem ab 1770 eine Lohnfortzahlung im ärztlich attestierten Krankheitsfall.

Da eine günstige Verkehrsanbindung die wesentlichste Voraussetzung für eine Gewerbeansiedlung war, galt auch der Anlage verbesserter Verkehrswege[8] im Weserdistrikt die besondere Aufmerksamkeit des klugen „Regionalplaners“ v. Langen.[9]

Die erste straßenbauliche Maßnahme von v. Langen galt der Verlängerung der Merxhäuser Straße[10] in gerader Richtung durch den verkehrstechnisch äußerst ungünstigen Querriegel des Sollings.

In der topografischen Solling-Karte von 1603 wird dieser Weg von Johannes Krabbe als "Holzminischweg" ausgeweisen.

Die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) brachten schließlich dieses Verkehrswegevorhaben zum Erliegen.

Die Verlängerung der Merxhäuser Straße betreffend gab es am 20. November 1745 eine Eingabe von v. Langen und in Erwiederung ein Konzept des herzoglichen Erlasses vom 02. Dezember 1745, die Merxhäuser Straße in der beantragten Weise auszubauen.

Diese von Holzminden ausgehende Straßenanlage diente vornehmlich dem Handelsverkehr nach Einbeck–Seesen-Braunschweig und dem Brennholztransport nach Grünenplan und Delligsen.[11]

Um die Zeit der Stilllegung der Glashütte „im Hellental am Steinbek“, 1744, ließ Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel durch seinen Oberjägermeister v. Langen die „Fürstliche Spiegelhütte auf dem Grünen Plan“ (Grünenplan) errichten, der ab 1748 eine planmäßige Werksansiedlung für Glasmacher folgte.

Während unter Johann Georg v. Langen mit der Umwandlung des Sollingwaldes in einen geordneten Forst begonnen wurde, kam es zugleich auch zur Ansiedlung neuer Anwohner an Waldrändern oder angrenzenden Tälern.

Hierzu zählten auch die Anbauer im Hellental.

Hof-Jägermeister v. Langen soll aus merkantilen Überlegungen heraus im Auftrag von Herzog Carl I. um neue Siedler ("Anbauer"), insbesondere auch um auswärtige Fachkräfte, geworben haben.

Damit sie sesshaft und somit einheimisch wurden, förderte er einvernehmlich mit dem braunschweigischen Hof die frühesten Arbeitersiedlungen in der deutschen Geschichte.

Als Anreiz zur Ansiedlung sollten die Anbaustellen auf Lebenszeit abgabefrei sein und entweder das Bauholz frei Baustelle geliefert oder aber 20 Reichstaler ausgezahlt werden; auch wurde Land für einen Garten vorgesehen.[12]

Weitere wirtschaftliche wie soziale Planungsmaßnahmen von Herzog Carl I. und seinem Hof-Jägermeister v. Langen betrafen, neben dem Bau von Arbeitersiedlungen, auch das Armenwesen (Armenkasse), die Einführung der allgemeinen Schulpflicht und eine groß angelegte Landesvermessung.[13]

Nach 18 Jahren schied Johann Georg v. Langen 1763 aus den braunschweigischen Diensten und ging nach Dänemark.

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] Es war die Zeit der aufkommenden Wirtschaftsform des „Merkantilismus“, in der das Braunschweiger Land zu seinen Gunsten Produktionsbetriebe förderte bzw. neu gründete mit dem ökonomischen Ziel, durch eine verstärkte Ausfuhr in Verbindung mit eingeschränkter Einfuhr die defizitäre Staatskasse zu füllen („positive Aussenhandelsbilanz“).

[2] Minister Bernhard Schrader von Schliestedt.

[3] zit. in TACKE 1943, S. 93.

[4] TACKE 1943, S. 93.

[5] HEBBEL 1999, S. 28 ff.; MEYER 1996; TACKE 1951.

[6] HEBBEL 1999, S. 32.

[7] nach Meißen (gegründet 1710) die zweite fürstliche Porzellanmanufaktur im deutschsprachigen Raum (Porcelainefabrique).

[8] Aufstellung aller Land- und Heerstraßen im Weserdistrikt vom 08. Oktober 1751 [HEBBEL 1999, S. 29].

[9] durch Eichen markierte „v. Langen-Alleen“ im Solling.

[10] heute auch „Alte Einbecker Straße“ genannt.

[11] HEBBEL 1999, S. 29.

[12] HEBBEL 1999, S. 36 ff.; TACKE 1943, S. 129-130.

[13] SCHREIBER 2004, S. 64.

[14] zit. in OHLMS 2006, S. 6-7.

[15] BAYERL 2013, S. 70.

[16] Reproduktion in der Sammlung des Museums Schloss Fürstenberg; Original: Öl auf Leinwand im Hertzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Nr. 1344.

[17] Modell: Simon Feilner (1726-1798), Ausformung des 20. Jahrhunderts.