Jedem Brot wohnt eine Seele inne

Die Kunst des Brotbackens mit Zeit, Sorgfalt & richtigem Mehl als Zutaten für den perfekten Brotlaib

 

 

 

"Bey jeglicher Gemeinde ein Back-Haus mitten im Dorfe"

Die Vorgabe zur "ansehnlichen Holz-Ersparung" und "Abwendung der Feuersgefahr" im Weserdistrikt flächendeckend "bey jeglicher Gemeinde ein Back-Haus" zu errichten, ist auf die Verordnung des Herzogs Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel von 1744 zurück zu führen.

Der vor diesem Verordnungshintergrund um 1828 beim Neubau des Hellentaler Gemeinde-Backhauses errichtete und bis um 1900 betriebene Steinbackofen ist ein typischer bäuerlicher Backofen.

Dessen Konstruktion entspricht dem aus dem Mittelalter übernommenen Backofenbau mit direkter Backinnenraumbefeuerung, wie ihn der Lehmbackofen in der Rekonstruktion eines Mittelalterhauses der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts der Stadtwüstung Nienover darstellt.

 

Brotbacken im Lehmbackofen in der Rekonstruktion eines Mittelalterhauses

1. Hälfte 13. Jahrhundert

 

Als so genannter Einschießofen gibt der Hellentaler Steinbackofen die ursprünglichste Grundform des „Altdeutschen Holzbackofens“ wieder.

Durch das im Jahr 1828 neu errichtete Hellentaler Dorfbackhaus mit seinem überraschend großen Holzbackofen wird in besonderer Weise kulturhistorisch fassbar, wie unter Herzog Carl I. im braunschweigischen Weserdistrikt "zur ansehnlichen Holz-Ersparung" das Errichten von "Gemeinde Back-Häusern" und von "Gemeinde-Back-Oefen" genormter "Struktur und vorbeschriebenen Maasse" verpflichtend wurde.

Der Museumsbesuch lässt anschaulich nachvollziehen, weshalb der aus Brandschutzgründen freistehende Fachwerkbau mit seinem direkt innen befeuerten Gewölbebackofen ein wertvolles Zeugnis eigener dörflicher Kultur im ehemals braunschweigischen Solling darstellt.

 

Museum aktiv: Korn mahlen ⎸Teig kneten ⎸Brot backen

Im Museum im Backhaus ⎸Hellental werden Holz-Backtröge (Teigmollen/Backmulden) des 19./20. Jahrhunderts - zum ehemals anstrendenden manuellen Kneten des Brotteiges zur Vorbereitung des Backens im Holzbackofen - einer modernen elektrischen Teigknetmaschine gegenübergestellt.

Ein besonderes museales Highlight ist, wenn an ausgewählten, öffentlich bekannt gegebenen Backtagen der „Museumsbäcker“ früh den großen Museumsbackofen - einem wertvollen Zeugnis jahrhundertealter Handwerkskunst und dörflicher Kultur - im historischen Gemeindebackhaus aufheizt, um dann mit seinem Hobby-Backteam aus dem Mehl regionaler Getreidesorten Brote mit besonderem Geschmack und unverkennbar feinem Aroma - aufgrund des "Holzbackofeneffektes" - Hellentaler Brote zu backen.

Hierbei kann man die Phasen traditionellen Brotbackens erleben: Aufheizen – Ausräumen - Einschießen – Ausschießen.

Neben der Vorliebe zum traditionellen Brotbacken spielt die Backgemeinschaft und das Zusammenarbeiten am Backofen eine wichtige Rolle.

 

"Bäckerei Kempe“ & Bäckermeister Manfred Dittrich (*1934) - Hellentals letzter Bäcker 

 

Bäckermeister Manfred Dittrich in der Hellentaler Dorfbäckerei „Kempe“, um 1965

 

Mit Pacht- und Mietvertrag vom 27. September 1960 pachtete Bäckermeister Manfred Dittrich aus Holzminden mit seiner Frau Elisabeth Dittrich, geb. Hempel (*1937), vom Bäckermeister August Kempe (*1896) am 01. September 1960 für die Dauer von 10 Jahren dessen Kolonialwaren-geschäft (Lebensmittelhandel) und Bäckerei - im Haus № 67:

  • Backraum
  • über dem Backraum gelegene Backstube
  • Mehlkammer hinter der Backstube
  • Lagerraum nach hinten über der Scheune gelegen 

Bäckermeister Dittrich hat bis Ende Juli 1970 täglich 45 Brote für seinen Kundenkreis in Hellental gebacken.

Zweimal wöchentlich lieferte er 60 Brote nach Heinade.

 

Text, Fotografien & Abbildungen: MiB/Hellental, Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental