Natur- & Kulturlandschaftserbe im Solling

Das Hellental - Eine historisch gewachsene Kulturlandschaft

 

Zum Begriff der Kulturlandschaft

„Eine Kulturlandschaft ist eine vom Menschen gestaltete Landschaft, deren ökonomische, ökologische, ästhetische und kulturelle Leistungen und Gegebenheiten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, die eine kontinuierliche Entwicklungsdynamik gewährleistet und langfristig geeignet ist, Menschen als Heimat zu dienen.“[1]

 

 

Die Landschaft des Sollingtales Hellental wurde vormals und wird noch heute im steten Wandel sowohl von natürlich bestimmten als auch von menschlich geprägten Prozessen fortlaufend verändert.

So entstand in zurückliegenden Geschichtsepochen eine einzigartige Kulturlandschaft innerhalb des Sollings im Weserbergland.

Menschen prägten über Jahrhunderte hin aus ökonomischen wie sozialen Gründen das heutige Landschaftsbild, die besondere historische Kulturlandschaft des Hellentals.

Im Verbund mit dem Museum im Backhaus│Hellental und dem im Aufbau befindlichen Ausstellungshaus WALD│GLAS│DORF vermittelt der Graslandpfad Hellental die natürlichen und kulturhistorischen Besonderheiten des Naturschutzgebietes Hellental und des gleichnamigen Glasmacherortes im Solling. 

Entlang des Solling-Baches Helle führt zudem die LebensRaumRoute (LLR) Wiesental/Hellental durch das Naturschutzgebiet Hellental sowie die LRR Hochmoor/Mecklenbruch durch das gleichnamige Naturschutzgebiet.

Aus einem Mosaik aus Wiesen und Weiden bestehend ist das Grünlandtal ein wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten des Sollings - im Naturpark Solling-Vogler (Interaktives Naturparkbuch).

 

Wandern durch eine vielfältige historische Kulturlandschaft

Das lang gestreckte, sanft ansteigende Hellental im nördlichen Solling zählt zu den schönsten offenen Wiesentälern des Weser-Leineberglandes.

Das abwechslungsreiche und faszinierende obere Hellental liegt inmitten des nördlichen Sollings - im Herzen des schönen Weserberglandes.
 
Das über 38.000 Hektar große Waldgebiet des Sollings wurde als Waldgebiet des Jahres 2013 ausgezeichnet.

Seine Geschichte und Entwicklung wurde maßgeblich von der vielfältigen Sollingwaldnutzung und deren wechselvollen Geschichte geprägt – vom späten Mittelalter bis in unsere Zeit des beginnenden 21. Jahrhunderts.

 

Scobel: Patient Wald 

„Um unsere Wälder ist es schlecht bestellt: Wir Menschen profitierten in hohem Maße vom Wald - gesundheitlich und ökonomisch. Wie aber behandeln wir diese überlebenswichtige Ressource? Wie gesund, wie krank ist der Lebensraum Wald? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen."[2]

Buchtipp: KÜSTER: Geschichte des Waldes. Von der Urzeit bis zur Gegenwart. 2008. [3]

 

Um durch eines der schönstens Wiesentäler im Naturpark Solling-Vogler zu wandern, können Sie zwei unterschiedliche Routen wählen:

  • Über die LRR Wiesental/Hellental und den Hellentaler Graslandpfad kann man entlang der Helle durch sanft hügeliges Grünland und Waldgebiet bis zu den Silberborner Bergwiesen am Naturschutzgebiet Mecklenbruch wandern (LRR Hochmoor). Von dort aus führt ein Weg über den Moorstieg zurück nach Hellental. Route Hochsolling 2: Länge ca. 17 km - Dauer: ca. 5 Stunden

 

 

  • Der insgesamt 225 Kilometer lange Weserbergland-Weg "XW" (13 Etappen)  trägt das Siegel "Qualitätsweg" nach den Kriterien des Deutschen Wanderverbandes. Der zertifizierte Qualitätswanderweg ist in regelmäßigem Abstand mit einem gut sichtbaren grün-blauen Routenlogo ("XW") markiert. Die vorgeschlagene 6. Etappe führt vom Hochsolling mit dem Moorgebiet Mecklenbruch durch das Hellental - dem "Alten Tal der Glasmacher" - zu dem gleichnamigen Sollingbergdorf, einstiger Glasmacherort und späteres Waldarbeiterdorf.Über Merxhausen und Heinade führt der XW-Wanderweg zum imposanten Holzberg am nördlichen Sollingrand.

 

 

Schönes Grünlandtal mit biologischer Vielfalt

Das lang gestreckte, sanft ansteigende Hellental im nördlichen Solling zählt zu den schönsten offenen Wiesentälern des Weser-Leineberglandes.
Das abwechslungsreiche und faszinierende obere Hellental liegt inmitten des nördlichen Sollings - im Herzen des schönen Weserberglandes.
 
Das über 38.000 Hektar große Waldgebiet des Sollings wurde als Waldgebiet des Jahres 2013 ausgezeichnet.

Seine Geschichte und Entwicklung wurde maßgeblich von der vielfältigen Sollingwaldnutzung und deren Geschichte geprägt – vom späten Mittelalter bis in unsere Zeit des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Das Hellental liegt im Landschaftsschutzgebiet Naturpark Solling-Vogler.

1990 wurde es in seinem südwestlichen Abschnitt als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Die ästhetisch ansprechende Landschaft des offenen Sollingtals ist ein reizvolles, von harter menschlicher Arbeit geprägtes Grünlandtal, eines der schönsten Wiesentäler des Sollingraums.

In ihm konnte eine beachtliche Biodiversität von Gefäßpflanzen, Moosen, Flechten und Pilzen nachgewiesen werden.

Besonders seltene oder lokal interessante Arten unterstreichen die hervorgehobene Bedeutung des Hellentals für den Pflanzen- und Tierartenschutz.

Markante Schattbäume, Sträucher, Hecken, Streuobstwiesen und noch erhaltene Ackerterassen sowie Relikte alter Flachsrotten runden das typische kulturhistorische Landschaftsbild eines extensiv bewirtschafteten Dauergrünlandes harmonisch ab.

Die vielfach in und um den Glasmacherort Hellental vorhandenen Trockenmauern sind eines der besonderen Elemente der historischen Kulturlandschaft des nördlichen Sollings.

Die an den östlichen Wiesenhängen erkennbaren Spuren linienförmiger Zuleitungsgräben ("Fleuegräben") eines früheren Wiesenbewässerungssystems – zum regulären „Fleuen” wasser- und nährstoffarmer Hangwiesen – sind ein gewässerhistorisch wie kulturlandschaftlich bedeutsames Flächenrelikt in Südniedersachsen.

Auch haben im Hellental einst zahlreiche Kohlenmeiler mit Köhlerhütten gestanden. Ehemalige Standorte des Holzkohle produzierenden Köhlergewerbes können auf eingeebneten Wiesenflächen im gesamten Talverlauf ausgemacht werden.

Das die Landschaft des Hellentals prägende Fließgewässer ist die teilweise noch naturraumtypische Helle.

Einem Quellgebiet im Hochmoor Mecklenbruch entspringend, durchfließt sie als klarer, schnell fließender Mittelgebirgsbach das lang gestreckte Muldental, teils oberirdisch, teils über Bachschwinden unsichtbar in unterirdischen Karstwasserleitern.

Abhängig vom Niederschlag wird die Helle zudem von zahlreichen Hangquellen gespeist („Tal der 200 Quellen“).

An die geradlinig imponierende Achse des Hellentals legt sich die den Solling querende Grenze des alten braunschweigischen Landes exakt an.

Somit ist der Naturraum des „Hellentaler Grabens” auch beispielhaft dafür, wie seit dem frühen Mittelalter im südniedersächsischen mittelgebirgigen Bergland ausgeprägte natürliche, landschaftliche Kammerungen die Linienführung von politischen Grenzverläufen beeinflussten.

Im späten Mittelalter folgten dem „Hellentaler Graben“ Territorialgrenzen zwischen dem Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, Hochstift Hildesheim und Fürstentum Calenberg, später Kurfürstentum/Königreich Hannover.

Durch den natürlich vorgegebenen Tiefenverlauf des Helle-Baches hat sich seit historischer Zeit ein beachtenswerter Grenzverlauf manifestieren können.

Gau-, Diözesen- und wechselnde Landesgrenzen haben sich an die topographischen Gegebenheiten der Landschaft des Hellentals gehalten.

Noch heute sind zahlreiche der um 1901 gesetzten steinernen Herrschaftszeichen (Grenzsteine) des historischen Grenzverlaufes im Talgrund entlang der Helle – im Dorf noch heute „Die Grenze“ genannt - bis zu ihren südlichen Quellgebieten vorhanden (Diözesan-, Forst-, Amts- und Landesgrenzen).

Bis zum 31. Dezember 2005 verlief entlang dieser Linie die Grenze zwischen den beiden Regierungsbezirken Hannover und Braunschweig; noch heute werden durch sie die Landkreise Holzminden und Northeim voneinander getrennt.

 

LRR Wiesental - Hellental

Länge: ca. 6,8 bzw. 5,8 km │ Dauer ca. 2 bzw. 1,5 Stunden

Die Route führt im Natuschutzgebiet Hellental entlang des Helle-Baches durch eines der schönsten Wiesentäler im Naturpark Solling-Vogler.

Spuren der kulturgeschichtlichen Entwicklung des Tales können reichlich entdecken werden.

So gibt es Standorte ehemaliger Waldglashütten und Fleuegräben, die sich gut erkennbar durch die Wiesenhänge ziehen.

Historische Grenzsteine erinnern an die ehemals braunschweigisch-hannoversch-preußische Grenzlage.

Aus einem Mosaik aus Wiesen und Weiden bestehend ist das Grünlandtal ein wertvoller Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten des Sollings.

Um durch eines der schönstens Wiesentäler im Naturpark Solling-Vogler zu wandern, können Sie zwei unterschiedliche Routen wählen.

Über die LLR Hellental und den Graslandpfad kann man entlang der Helle durch sanft hügeliges Grünland und Waldgebiet bis zu den Silberborner Bergwiesen am Naturschutzgebiet Mecklenbruch wandern.

Von dort aus führt ein Weg über den Moorstieg zurück nach Hellental.

Route Hochsolling 2: Länge ca. 17 km - Dauer: ca. 5 Stunden

 

Literaturempfehlung

Wandern mit Löns - Das romatische Tal der Helle. In: BLIESCHIES, HANNES: Im schönsten Wiesengrunde. Quellen, Bäche und Täler im Solling. Holzminden 2013, S. 8-17.

 

 

Text & Fotografien: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] NHB 2003, S. 20 ff.

[2] 3sat Mediathek, Sendung vom 27. April 2017.

[3] KÜSTER ist Professor für Pflanzenökologie am Institut für Geobotanik der Leibniz Universität Hannover und gilt als Experte für Kultur und Geschichte des Waldes.