Prähistorische Spuren zwischen Solling & Holzberg

Die Periodisierung der Urzeit (Urgeschichte) & Vorgeschichte erfolgt in Steinzeit ⎸Bronzezeit ⎸Eisenzeit

 

Archäologisches Landesmuseum Schloss Gottorf, Schleswig

 

 

Zur Menschwerdung

Die Geburt ist als das evolutionär wohl einschneidenste Ereignis des Menschwerdens anzusehen.

Neben der Biologie gilt die Kultur als wichstigster Faktor der Evolution des Menschen, deren Verlauf sich nach der ersten Migrationswelle aus Afrika als kompliziert und nicht linear erweist.

Durch die biologische und kulturelle Evolution, die mit einem komplexen, intelligenten Gehirn einherging, konnten Wissen und Ideen mittels Sprache ausgetauscht und weitergegeben werden.

 

Frühe Ausbreitung des Menschen

Die frühe Ausbreitung des Menschen (Gattung Homo) in Europa begann vor etwa 1,8 Millionen Jahren als Vertreter des Homo erectus ihre afrikanische Heimat verließen und sich in verschiedene und unterschiedlich große Gruppen aufspalteten.

Aus Frühmenschen der Spezies Homo erectus entwickelten sich die "Neandertaler".

Frühe Angehörige von Homo sapiens - direkte Vorfahren des modernen Menschen - gingen vor rund 190.000 Jahren auf "Wanderschaft" in unbekannte Lebensräume.   

In der zweiten Migrationswelle kamen ab etwa 90.000 Jahren die modernen Menschen aus Afrika nach Eurasien.

Bei ihren Migrationsbewegungen machten sich die frühen Menschen zunehmend unabhägiger von natürlichen Umweltfaktoren; regional entwickelten sie Werkzeuge, Kunst und ein immer komplexer werdendes Sozialverhalten.

Maßgeblich bestimmend waren die Verfügbarkeit von Wasser, die Tierwelt, die Temperaturen wie auch die Menge an Niederschlägen sowie weitere Ressourcen zum Überleben.

Hierbei gelten die Entwicklung von Werkzeugen und deren Gebrauch (Schneidwerkzeuge aus Stein), von Waffen wie auch das Beherrschen des Feuers als weitreichende Meilensteine menschlicher Evolution.

Vor etwa 80.000 Jahren traten symbolisches Denken und die Nutzung von Symbolen als Allgemeingut zu den intellektuellen Fähigkeiten der Frühmenschen hinzu.

Besondere Bedeutung erlangte hierbei u.a. der altsteinzeitliche "Löwenmenschen" als Kunstobjekt.

Hierbei wird deutlich, dass Wissen und Kommunikation die entscheidenen Voraussetzungen waren, um komplexe Dinge zu erkennen.

Durch die biologische und kulturelle Evolution, die mit einem komplexen, intelligenten Gehirn einhergingen, konnten Wissen und Ideen mittels Sprache ausgetauscht und weitergegeben werden.

 

Höhlenfundstellen am Südrand der Schwäbischen Alb

Aus einem Jurameer entstand die Schwäbische Alb.

Die Höhlen an deren Südrand zählen zu den bedeutendsten prähistorischen (altsteinzeitlichen) Fundstellen der Welt.

Hier lebten Neandertaler und frühe moderne Menschen während der letzten Eiszeit, eine der faszinierendsten Epochen der frühen Menschheitsgeschichte.

Während jener Eiszeit entwickelten sich in über zwei Millionen Jahren die Grundlagen unserer heutigen Kultur.

In vier Höhlen des Ach- und Lonetals (Geißenklösterle, Hohle Fels, Hohlenstein-Stadel, Vogelherdhöhle) wurden aus Mammutelfenbein geschnitzte Tier- und Menschenfiguren entdeckt.

Ausgrabungen in den Höhlen belegen, dass während der Epoche des Aurignacien in einer Zeit vor 43.000 bis 34.000 Jahren, der kulturellen Entwicklungsstufe am Ende der Altsteinzeit, aus Mammut-Elfenbein die weltweit ältesten figürlichen Kunstwerke der Menschheit geschnitzt wurden ("Eiszeitkunst").

Vier kulturelle Neuerungen

  • Schmuck
  • Kunst
  • Musik
  • symbolische Vorstellungen

stehen für diesen Zeitraum.

Nach heutigem kulturhistorischem Stand gilt dabei als älteste figürliche Darstellung eines Menschen die vor rund 43.000 Jahre geschaffene "Venus aus dem Hohle Fels".

Diese Frauenstatuette wurde in der Schwäbischen Alb - seit dem 09. Juli 2017 UNESCO-Weltkulturerbe "Höhlen und Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb" - von Menschenhand hergestellt als "sich im Kopf des Steinzeitmenschen ein Bild vom Menschen" entwickelte (urmu - Urgeschichtliches Museum Blaubeuren).[21]

Flöten und Flötenfragmente aus Mammutelfenbein und Vogelknochen gelten als die ältesten nachgewiesenen Musikinstrumente der Menschheit ("Eiszeitmusik"); sie stammen aus der Zeit vor 40.000 Jahren.


Epochen der Steinzeit - Längster Abschnitt der Kulturgeschichte des Menschen

In kulturhistorischer Hinsicht umfasst die Steinzeit den längsten Abschnitt der Menschheitsgeschichte,

  • beginnend mit der Altsteinzeit (Paläolithikum) - in Niedersachsen: 400.000–8.000 v. Chr.,
  • endend mit der Jungsteinzeit (Neolithikum) - in Niedersachsen: 5.500-2.000 v. Chr.

Vor etwas mehr als 400.000 Jahren lebten in Niedersachsen nachweislich die ersten Menschen – der Homo erectus - mit aneignender Wirtschaftsweise als Jäger und Sammler.

Der moderne Mensch – der Homo sapiens sapiens - betrat dann vor 40.000-30.000 Jahren, im Jungpaläolithikum (jüngere Altsteinzeit), die Bühne der Menschheitsgeschichte, die er unvergleichlich zu seinen Gunsten verwandeln sollte.

Allmählich sesshaft wurden die Menschen im südlichen Niedersachsen erst etwa um 5.500 v. Chr. mit produzierender Wirtschaftsweise (Viehzucht, Ackerbau).[1]

Die frühesten Spuren menschlichen Daseins im Raum des heutigen Landkreises Holzminden gehen auf die mittlere und die späte Phase der Altsteinzeit (Mittel- und Spätpaläolithikum) zurück.[2]


Aufrechter Gang des modernen Menschen

  • Erstes Herstellen von Werkzeugen & Waffen
  • Erste Beherrschung und Nutzung des Feuers
  • Erste Häuser

Die Steinzeitmenschen vollzogen die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur kulturellen und zivilisatorischen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft.

Neben den technischen Errungenschaften des Steinzeitmenschen wirken auch dessen geistig-kulturellen Leistungen bis in die heutige Zeit hinein.

Für die Menschen der steinzeitlichen Epochen galt es die Widrigkeiten extremer wie wechselnder Klimabedingungen - dem zyklischen Wechsel von Warm- und Kaltphasen - mit genialem Erfindungsgeist zu bewältigen und sich schrittweise von den natürlichen Gegebenheiten zu emanzipieren.

Seit dem Ende der letzten Eiszeit sind rund 11.500 Jahre vergangen.

Als um 9.500 v. Chr. die Nacheiszeit begann, das Klima in kürzester Zeit wärmer und feuchter wurde, sich in der Folge kleinräumig die Vegetation mitsamt der Tierwelt dramatisch veränderte und Wälder ausbreiteten, begann zugleich die steinzeitliche Epoche des Mesolithikums (Mittelsteinzeit: 8.000–5.500 v. Chr.).

Der Mensch der mittleren Steinzeit erwies sich während der gravierenden Umweltveränderungen als Überlebenskünstler.

Die Verknappung des Feuersteins als Rohstoff führte nicht zuletzt zu einer Verkleinerung im Werkzeugspektrum mit deutlichem Trend zu kleinsten Formen.

Bodenfunde in dem nördlichen Sollingtal ergaben Hinweise auf erste prähistorische menschliche Aktivitäten bereits während des Mesolithikums.

Vor etwas mehr als 400.000 Jahren lebten in Niedersachsen die ersten Menschen (Homo erectus) mit aneignender Wirtschaftsweise - als Jäger und Sammler.

Der moderne Mensch (Homo sapiens sapiens) betrat dann vor 40.000-30.000 Jahren, in der jüngeren Altsteinzeit (Jungpaläolithikum), die Bühne der Menscheitsgeschichte, die er rasant und unvergleichlich zu seinen Gunsten verwandeln sollte.

Während das Paläolithikum vom Eiszeitalter geprägt war, begann der Zeitabschnitt des Mesolithikums mit dem Ende der großen Kaltphase zwischen 8.500-8.000 v. Chr., gleichgesetzt mit dem Beginn der Nacheiszeit, dem Holozän.

Mit der zunehmenden nacheiszeitlichen Wiedererwärmung des Klimas war nicht nur eine grundlegende Änderung der Umweltverhältnisse verbunden, sondern auch ein Wandel, der den Menschen und sein Verhalten in der Umwelt bestimmte und einen starken kulturellen Wandel zur Folge hatte.

So wurden die Steingeräte auffallend klein - daher als „Mikrolithen“ bezeichnet - und Pfeil und Bogen zur effektiven Hauptwaffe.

Allmählich sesshaft wurden die Menschen im südlichen Niedersachsen wahrscheinlich erst etwa um 5.500 v. Chr. mit produzierender Wirtschaftsweise (Viehzucht und Ackerbau).

 

Mesolithikum (Mittlere Steinzeit)

Bis an den Nordrand des Sollings reichte einst die Südgrenze der Elster-Vereisung, dem hingegen berührte die spätere Saale- und Weichsel-Eiszeit dieses Gebiet nicht mehr direkt.[3]

Während die Altsteinzeit - das Paläolithikum - vom Eiszeitalter geprägt war, begann der Zeitabschnitt der Mittleren Steinzeit - das Mesolithikums - mit dem Ende der großen Kaltphase zwischen 8.500-8.000 v. Chr., gleichgesetzt mit dem Beginn der Nacheiszeit, dem Holozän.[22]

Durch das Zurückschmelzen des nordischen Inlandeises nach Mittelschweden endete die letzte große Eiszeit - und mit ihr zugleich auch das Leben der Mammuts.

Im Holozän entstanden die bekannten Hoch- und Niedermoortorfe des Sollings (z.B. Hochmoor „Mecklenbruch“).

Mit der zunehmenden nacheiszeitlichen Wiedererwärmung des Klimas war nicht nur eine grundlegende Änderung der Umweltverhältnisse verbunden (Erwärmung mit trockenem, warmem Klima), sondern auch ein Wandel, der den Menschen und sein Verhalten in der Umwelt bestimmte und einen starken kulturellen Wandel zur Folge hatte.

So wurden die Steingeräte auffallend klein (daher als „Mikrolithen“ bezeichnet) und Pfeil und Bogen zur effektiven Hauptwaffe.[4]

Die zunehmende Widerbewaldung erfolgte zunächst mit Birken und Kiefern, später mit Haselsträuchern und Laubmischwäldern (Eichen, Ulmen, Linden, Eschen), mit der Folge auch eines Wechsels im Tierbestand (Elch, Rothirsch, Reh, Wildschwein).

Diesen Tieren stellte der nacheiszeitliche Mensch als Jäger nach („Wildbeuter-Kulturen“ der Nacheiszeit).[5]

Mit dem Wechsel der Tundra-Landschaft hin zu ausgedehnten Waldgebieten mit einer veränderten Fauna begann das urgeschichtliche Zeitalter der Mittelsteinzeit (8.000-5.500 v. Chr.), im Übergang zwischen der Alt- und Jungsteinzeit (Paläolithikum - Neolithikum).

In Jäger- und Sammlergemeinschaften lebend, bevorzugten die nacheiszeitlichen Menschen jene Aufenthaltsorte, wie Flüsse, Bäche und Seen, die von jagdbaren Tieren zur Tränke aufgesucht wurden.

Sie lebten von der Jagd, vom Fischfang und vom Sammeln pflanzlicher Nahrung (Sammelwirtschaft).

Diese Form des Wirtschaftens erforderte eine besonders mobile Lebensweise, um die Nahrungsquellen in einem größeren Areal nutzen zu können.

Mit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung lebten die Wildbeuter wegen des limitierten Nahrungsangebotes nur in kleinen sozialen Gruppen.

Als sich die mesolithischen Wildbeuter - Jäger, Fischer und Sammler - später dem Ackerbau und der Viehzucht zuwandten, endete die Periode der Mittelsteinzeit in unserem heutigen Lebensraum zwischen Weser und Leine um die Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr.

In dem hier betrachteten geografischen Raum im nördlichen Solling bewegten sich prähistorische Menschen, wahrscheinlich entlang des Spüligbachs, des Eberbachs und der Helle, wo sie zu ihrer Nahrungsgewinnung gejagt, gefischt und Wildfrüchte gesammelt haben.

Dabei hinterließen sie auch Werkzeuge und deren Herstellungsabfälle.

In jener Nacheiszeit des 9.-5. Jahrtausends v. Chr. stellten die prähistorischen Jäger Pfeile, mit eingesetzten Mikrolithen als Pfeilspitze, her.

Die sich bereits in der Altsteinzeit abzeichnende Tendenz zur Verkleinerung und sorgfältigeren Bearbeitung der Mikrolithen gilt allgemein als Kennzeichen mesolithischer Steinwerkzeuge.

Als Rohstoff hierfür dominierte in Südniedersachsen der Flint (Feuerstein), der während des Eiszeitalters durch die vom Norden her in das Landesinnere vordringenden Gletscher antransportiert worden war.

Wegen seiner guten Spalteigenschaften und ausgesprochen scharfkantigen Bruchflächen wurde der Flint von Menschen der mesolithischen Periode bevorzugt benutzt.

Die typischen Mikrolithen jener Zeit weisen meist geometrische Formen auf.[6]

Zu den in den Gemarkungen Heinade, Merxhausen und Hellental gefundenen Feuersteinartefakten ist zu erwähnen, dass der zur Geräteherstellung benutzte Flint natürlicherweise weder im Bereich des Sollings noch im Gebiet des Holzberges vorkommt, also demzufolge von prähistorischer Menschenhand in das hier betrachtete Gebiet mitgebracht wurde.

 

Neolithikum (Jungsteinzeit)

Erste Spuren aus der Jungsteinzeit ("Revolutionäres" Neolithikum), die von 5.500–1.800 v. Chr. dauerte, sind 1931 zufällig in der Gemarkung Denkiehausen angetroffen worden.

Es handelt sich hierbei um den Einzelfund eines Breitkeils.

Die jungsteinzeitlichen Menschen betrieben, wie erwähnt, Ackerbau und Viehzucht zur Sicherung ihres täglichen Lebensunterhaltes.

Durch diese veränderte Wirtschaftsweise wurden die Menschen der Jungsteinzeit sesshaft.

Sie fällten Bäume, um Land zu gewinnen und bauten sich feste Häuser.

Aus dieser Zeit stammt der aus Felsgestein hergestellte Breitkeil von Denkiehausen, der für entsprechende landwirtschftliche Arbeiten benutzt wurde.

 

Die Metallzeit

Bronzezeit

Nach dem neuen, wieder verwendbaren Werkstoff Bronze wird aus archäologischer Sicht die Epoche der Menschheitsgeschichte von 1.800-700 v. Chr. als „Bronzezeit“ beschrieben.

Sie charakterisiert einen wichtigen Zeitabschnitt, der auf die vorangegangene Jungsteinzeit rsp. Kupfersteinzeit folgt.

Das in der bronzezeitlichen Epoche vorherrschende Klima (feucht, kühl) begünstigte eine Waldbedeckung mit Eichen und Buchen, auch gelangte die Rotbuche zu einer größeren Ausbreitung.

Jene Epoche kennzeichnet die deutlich zunehmende Relevanz des Metalls, neben dem Hauptwerkstoff Stein aus zurückliegender Zeit.

Durch die Entwicklung metallzeitlicher Technologien, die umfangreiches Spezialwissen erforderten, konnten nunmehr widerstandfähigere Werkzeuge, Waffen und Geräte aus einer Legierung aus Kupfer und Zinn hergestellt werden.[7]

Bronze gelangte zunächst durch fertige Geräte in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends nach Niedersachsen.[8]

Vorwiegend bestand in der Bronzezeit eine bäuerliche Wirtschaftsform mit teilweise weiträumigen Handelsbeziehungen und neuer sozialer Gliederung in lockeren Streusiedlungen.

Mehrere aufgeschüttete bronzezeitliche Grabhügel zur Körperbestattung sind auch für den hiesigen Weser-Raum dokumentiert, hingegen aber nicht in dem hier betrachteten Gebiet zwischen Nordsolling und Holzberg.

 

Bodenfunde in den Gemarkungen Heinade & Merxhausen sowie im Hellental[23]


  • Gemarkung Heinade

Im September 1988 konnte im Rahmen der archäologischen Prospektion zur Erkundung steinzeitlicher Fundstellen am und im Solling ein erstes Bindeglied zwischen dem Dassler Becken und dem Stadtoldendorfer Raum auf Ackerland in der Gemarkung Heinade gefunden werden.[9]

Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine mesolithische Fundstelle auf einer flachen Geländekuppe, halbkreisförmig vom Spüligbach umflossen.

Insgesamt handelt es sich um 44 Fundstücke. Die Funde lassen ziemlich sicher ein mittelsteinzeitliches Alter annehmen.[10]

Zuvor waren bereits bei einer systematischen Feldbegehung im Oktober 1983 als Fundstreuung vorgeschichtliche Scherben und drei Abschläge aus Feuerstein auf einem Ackerland („Entenpfühlen“) eines nach Norden abfallenden Geländes im Quellgebiet des Eberbaches in der Gemarkung Heinade entdeckt worden.[11]

Des Weiteren konnte im „Farkensieksfeld“ auf einem nach Nordosten geneigten Gelände nahe einem Bachlauf ein Kernstein gefunden werden.[12]

Beim Pflügen des Ackerlandes auf dem Gemarkungsstück „Salzbreite“, einem Südosthang bei Heinade in Richtung Merxhausen, wurde 1921 als bronzezeitlicher Einzelfund ein relativ komplettes Beil aus Kupferlegierung „ausgeackert“ (datiert: um 1.600 v. Chr.).[13]

Der Bodenfund konnte der Gruppe der nordwestdeutschen schlichten Absatzbeile zugeordnet werden.[14]

Solche Absatzbeile wurden aus einer zweiteiligen Bronzegussform hergestellt.

Sie boten durch einen Absatz zusätzlichen Halt für einen hölzernen Schaft.[15]

 

  • Gemarkung Merxhausen

Möglicherweise im Januar 1953 wurde westlich des Dorfes Merxhausen an einem nach Osten abfallenden Hang auf einem Ackerland als Einzelfund ein so genanntes Silexgerät gefunden, möglicherweise ein Bruchstück eines Bohrers.[16]

Im Jahr 2000 wurde in Merxhausen bei Erdarbeiten ein Dolchbruchstück aus Feuerstein gefunden, das in einen frühen Abschnitt der Bronzezeit (1.800-700 v. Chr.) zu datieren ist.[17]

 

  • Fundstellen im Hellental

Das durchaus geschichtsträchtige Hellental birgt noch heute Geheimnisse, so gerade auch aus ur- und frühgeschichtlicher Zeit.

Hinsichtlich der Frage nach Bodenfunden aus jener Zeit bestand für das Hellental bis Oktober 2004 ein noch zu behebendes archäologisches Defizit.

Es waren keine archäologischen Funde bekannt, welche einen Rückschluss auf den latenten Aufenthalt prähistorischer Menschen im Hellental erlaubt hätten.

Landschaftsarchäologisch gesehen, war gleichwohl bekannt, dass der vom Südwesten nach Nordosten fast geradlinig verlaufende tertiäre Grabenbruch zwischen Meinbrexen im Südwesten und dem Hellental im Nordosten zu verschiedenen Zeiten Menschen immer wieder als Durchzugsgebiet diente.

So konnten in dieser Zone bereits zwei frühgeschichtliche Oberflächenfundplätze bei Neuhaus im Hochsolling angetroffen werden.[18]

Bei den im Hellental entdeckten mesolithischen Oberflächenfunden handelt es sich um die bislang ältesten anthropogenen Fundobjekte dieses nördlichen Sollingtals, die durch systematische Feldbegehungen oder zufällig im Zusammenhang mit der Erkundung ehemaliger Waldglashütten geborgen, dokumentiert und archiviert werden konnten.[19]

Bei den in einem Fundhorizont geborgenen Flintfundstücken handelt es sich um Reste von Steinwerkzeugen und deren Produktion, typischerweise aus nordischem Flint (Feuerstein-Artefakte).

Weitere mesolithische Einzelfunde schlossen sich bei späteren Begehungen an.[20]

Es sind somit die bisher ältesten erhaltenen Spuren eines Aufenthaltes prähistorischer Menschen im abgelegenen Hellental.

Die Fundkollektion deutet darauf hin, dass sich wahrscheinlich bereits während des Mesolithikums - also bereits vor etwa 10.000-7.500 Jahren - nomadisierende, jagende Menschen entlang des schnell fließenden Mittelgebirgsbaches Helle aufgehalten.

Sie haben dabei das lang gestreckte Hellental in Wildbeutergemeinschaften durchwandert.

Archäologische Funde, die beispielsweise über die benutzten latenten Behausungsstrukturen, die soziale und demografische Zusammensetzung der Gemeinschaften und deren Altersstruktur Auskunft geben könnten, liegen nicht vor.

 

 

Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] HESSE 2003, S. 6.

[2] LEIBER 2004b Teil 1, S. 116.

[3] WERKMEISTER 1963, S. 7.

[4] HESSE 2003, S. 7.

[5] LEIBER 1994, S. 10; THIEME 1991, S. 102.

[6] THIEME 1991, S. 102.

[7] Zinnbronze – ideales Mischungsverhältnis: 1 Teil Zinn, 9 Teile Kupfer; Schmelzpunkt: 1.000° C.

[8] LEIBER 1994, S. 12; METZLER/WILBERTZ 1991, S. 155.

[9] Bodenfunde von Ursula Werben (Einbeck), ehemals Beauftragte für die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Northeim.

auch: Gemarkung Denkiehausen FStNr. 1, Einzelfund NEO [LEIBER 2004 Teil 2, S. 243, KtNr. 108, Tafel 20], Verbleib im Stadtmuseum Stadtoldendorf, InvNr. I, 27; s. auch „Ortschronik Wangelnstedt“ [ANDERS 2004, S. 15].

[10] LEIBER 1992, S. 128

Gemarkung Heinade FStNr. 4, Station, MES [LEIBER 2004 Teil 2, S. 282, KtNr. 204].

Die Originalfundstücke befinden sich in der Studiensammlung der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden; darunter 1 Stichel, 4 Kratzer (davon 1 Halbrundkratzer), 5 Kernsteine, Klingen, Lamellen, Abschläge aus Feuerstein und 1 proximales Klingenstück aus Kieselschiefer.

[11] Feldbegehung durch E. Tonert.

[12] Gemarkung Heinade FStNr. 2, Fundstreuung, chron. ind. [LEIBER 2004 Teil 2, S. 282, KtNr. 202].

Gemarkung Heinade FStNr. 3, Einzelfund, MES [LEIBER 2004 Teil 2, S. 282, KtNr. 203]

[13] Gemarkung Heinade FStNr. 1, Einzelfund, BZ.

Nach LEIBER [2004b Teil 1, S. 68 – Teil 2, S. 455, Tafel 38, KtNr. 201] weist das an sich komplette Absatzbeil eine kleine Ausbruchstelle am Nacken auf, Schneide beschädigt, runder Absatz und ohne Schildbogen an den Schmalseiten; das Original befindet sich in der Studiensammlung der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden (FO: Heinade, FSt.: 1, Kat.-Nr. Vorg. 20); nach LEIBER [2004 Teil 1, S. 68] lässt sich das Bronzebeil der Gruppe der nordwestdeutschen schlichten Absatzbeile zuordnen und kann als Beleg für die Form Wardböhmen-Anzin angesprochen werden; 193 g; Länge: 13,4 cm, Breite S.: 3,2 cm, Dicke: 1,8 cm; siehe zudem Bericht im TAH vom 17.01.1978.

[14] LEIBER 2004b Teil 1, S. 68.

[15] METZLER/WILBERTS 1991, S. 163, 181.

Bereits TACKE [1951, S. 97] würdigte in den 1950er Jahren den Einzelfund vom „westischen Typ“ als „das beste Stück“. Es weise daraufhin, dass sich wahrscheinlich bereits während der mittleren/späteren Bronzezeit Menschen in diesem nördlichen Sollingrandgebiet aufgehalten haben. Heute befindet sich das auch für die Ur- und Frühgeschichte des Landkreises Holzminden sehr wertvolle bronzezeitliche Absatzbeil in der Studiensammlung der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden. Ein weiteres, jedoch stark beschädigtes Bronzebeil war bereits 1872 in Delligsen gefunden worden [LEIBER 2004 Teil 1, S. 68].

[16] Gemarkung Merxhausen FStNr. 1, Einzelfund [LEIBER 2004c Teil 2, S. 381, KtNr. 510].

Bleistiftskizze aus dem Nachlass von C. Sauermilch, Holzminden, in der Ortsakte Heinade der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Holzminden.

[17] Nach LEIBER [2005, S. 193] wurde das Feuersteindolchfragment der Archäologischen Denkmalpflege durch Detlef Creydt, Holzminden, zur Kenntnis gebracht (im Privatbesitz von Hinnerk Tewes). Detlef Sörg, Merxhausen, hatte das Dolchbruchstück bei Erdarbeiten an seiner Garage in ca. 1,5-2,0 m Tiefe angetroffen (Bruchweg 10 / Ecke Heukenbergweg 22). In enger Nachbarschaft zur Fundstelle soll ursprünglich eine Wasserquelle gelegen haben.

[18] LEIBER 2004b Teil 1, S. 27.

[19] Am 14. Oktober 2004 wurde im Rahmen einer ersten archäologischen Prospektion mit dem Kreisarchäologen Dr. Christian Leiber, Ortsheimatpfleger Dr. Klaus A.E. Weber sowie weiteren Mitgliedern der HGV-HHM-Arbeitsgruppe Hellental auf einem eingeebneten Ackergelände im Hellental (ca. 190 m vom südwestlichen Dorfausgang entfernt), zwischen dem Bachlauf der Helle und dem Forstfahrweg, ein umschriebener mesolithischer Oberflächenfundplatz mit einer Fläche von etwa 250 m² ausgemacht, vormals unter Grünland liegend.

Erste richtungsweisende Fundobjekte: 1 Mikroklingenkernstein, 1 Klingen-/Abschlag-Kernstein, 1 Kernsteinrest, 1 Kernsteinrest mit Cortex und Abschlagnegativen von Klingen, 1 Feuerstein-Klinge (Kleinsteingerät), weiss patiniert, brandrissig und 1 Abspliss (?), weiss patiniert.

Weitere intensive Geländebegehungen durch Dr. Klaus A.E. Weber und Christel Schulz-Weber im Verlaufe des Jahres 2005 ließen weitere mesolithische Einzelfunde auf dem umschriebenen Areal auffinden.

[20] Zu der kleinen Fundkollektion im unteren Hellental passend, konnte 2003 bei einer orientierenden Feldbegehung im oberen Hellentaler Grund, dort, wo das Gelände der frühneuzeitlichen Waldglashütte „Oberes Hellental“ liegt, durch den Ortsheimatpfleger Dr. Klaus A.E. Weber und Christel Schulz-Weber aus dem Bodenmaterial eines kleinen oberflächennahen Erdaufschlusses Mikroklingen geborgen und archiviert werden.

[21] Übersicht bei THOMAS 2017, S. 23-25.

[22] Übersicht mit "Göttinger Typentafeln" bei LEHMANN 1991.

[23] LEIBER 2004c Teil 2, S. 282, 381.