Chronik 2.0 Merxhausen

Mittelalterliches bäuerliches "Dörp undern Sollige" - seit 1168

 

 

Daten, die für das Sollingranddorf Merxhausen entscheidend waren & 2018 begangen werden:

  • 1168 erste (nachweisliche) urkundliche Nennung = 850 Jahre
  • 1698 Wechsel von Filial Mackensen zu Filial Heinade = 320 Jahre
  • 1768 Vollendung des Kapellenbaus (Beginn 1764) = 250 Jahre
  • 1998 Namensgebung: Lydia Kapelle = 20 Jahre

 


 

Am nordöstlichen Rand des Naturparks Solling-Vogler gelegen, erstreckt sich vom Nordwesten nach Südosten die Dorfanlage des am 02. Juni 1168 mit "In Mergeshusen" erstmals durch eine Urkunde Heinrichs des Löwen archivalisch fassbaren Grenzortes Merxhausen.

Das alte bäuerliche Kapellendorf "Merxhusen" befindet sich an der alten „Sollingstraße“ - ehemalige Handel- und Heeresstraße - von Holzminden nach Einbeck (heute entlang der Landesstraße 580).

Der noch als geschlossen imponierende Ortskern des alten Haufendorfes - mit seinen ortstypischen Fachwerkhäusern - wird an seiner nördlichen Flanke überragt vom prominenten Heukenberg, der zur Mitte des 16. Jahrhunderts als "Harkensberge" oder "Henkenberge" bezeichnet wurde, Mitte des 18. Jahrhunderts als "Heidenberg".[1]

Das heutige Dorf Merxhausen gilt von den drei Ortsteilen der Gemeinde Heinade gemeinhin als die älteste Ansiedlung, deutet doch die Endung "–hausen" auf eine (Neu-)Ansiedlung in der Zeitspanne zwischen dem 5.-8. Jahrhundert hin.

Um 1600 trägt die dörflich geschlossene Siedlung nachweislich den Namen "Marckshusen" (Haus - niederdeutsch: -husen, hochdeutsch –hausen).

Hierzu ist anzumerken, dass mit "–husen" gebildete Ortsnamen in Südniedersachsen eine namenstypische Häufung aufweisen.

In diesem östlichen Bereich des Weserberglandes stießen vormals die Grenzen der drei Bistümer Hildesheim, Mainz und Paderborn zusammen.

Ursprünglich gehörte Merxhausen wahrscheinlich zum Bistum Mainz bzw. zur Herrschaft Everstein, später zum Amt Fürstenberg und seit 1649 zu dem davon abgetrennten Amt Allersheim.[2]

Um 1890 sind die Post sowie die Kalkbrennerei besonders ortshistorische erwähnenswert.[3]

Von Bewohnern umliegender Dörfer wird das "Dörp under Sollige" noch heute gerne „Klein Berlin“ genannt, nachweislich bereits auch um 1935.[4]

Dieser beliebte Spitzname ist nach HENZE/LILGE [6] möglicherweise darauf zurückzuführen, dass sich durch die weitläufigen Handelbeziehungen im Leinengewerbe in Merxhausen „gewisse Umgangsformen“ entwickelten, die „den biederen Sollingern aber höchst befremdlich vorkamen“.

Im heutigen Dorfzentrum befinden sich als Nachbargebäude (Merxhausener Str. 8) zur alten Kapelle die ehemalige Pension und das Cafe „Haus Berlin“.

Da für Merxhausen bislang keine umfassenden ortschronistischen Aufzeichnungen oder gar eine Ortschronik selbst erstellt wurden, blieb bislang vieles der wechselvollen Dorfgeschichte weitgehend unerforscht, unbekannt und Spekulationen überlassen.

Eine besondere ortsgeschichtliche Bedeutung haben

  • die Mühlen (Papier- und Kornmühle) am Spüligbach,
  • die Trinkwasserversorgung,
  • die Leinenweberei und Leinenhandel,
  • die Familie Rothschild und der jüdischen Friedhof,
  • die Landwirtschaft,
  • die handwerklichen Betrieben (Tischlereien),
  • die Kalkbrennerei
  • die Eisenverhüttung (Hammerhütten),
  • die Versorgung mit Elektrizität,
  • die Vereine,
  • die Gastwirtschaften,
  • die Feuerwehr,

aber auch anderen, ortsgeschichtlich wesentlichen Themenbereichen zukommen.

Eine eigens zum Einzug des Braunschweiger Herzogs Friedrich Wilhelm (1771-1815) um 1814 in Merxhausen angefertigte Fahne befand sich um 1907 im „Vaterländischen Museum“ zu Braunschweig.[5]

Anlässlich seines Besuches „im Kreise Holzminden“ im Juni 1909 besuchte „Sr. Hoheit der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunschweig“ auch Merxhausen.

Die nahe von Merxhausen gelegene, heutige Kreisgrenze zwischen den beiden Landkreisen Holzminden und Northeim war bis zum 01. August 1941 zugleich auch Landesgrenze zwischen Braunschweig und der preußischen Provinz Hannover.

Die Selbstverwaltung als eigenständige Gemeinde im Landkreis Holzminden endete für Merxhausen am 31. Dezember 1972 durch den Zusammenschluss mit Hellental zur heutigen Gemeinde Heinade.

Der als geschlossen imponierende Ortskern des spätmittelalterlichen bäuerlichen Haufendorfs - mit vielen zeittypischen Fachwerkhäusern - wird an seiner nördlichen Flanke überragt vom naturgeschützten Heukenberg.

Zahlreiche der ursprünglichen Fachwerkhäuser (alte „Einhäuser“) sind teils bis heute erhalten geblieben.

Das älteste Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1704.

 


 

Hausreihe, Bleistiftzeichnug (Archiv HGV-HHM)

 

Es klapperten die Mühlen am Spüligbach

Wie für die Berglandschaft des Sollings und seiner vorgelagerten Landschaften typisch, so waren auch in und um Merxhausen am Spüligbach Wassermühlen vorherrschend.

Angetrieben vom Wasser des Spüligbachs wurden um 1780 drei Mühlen betrieben - zwei Getreidemühlen und eine Papiermühle.

  • Am westlichen Dorfeingang befindet sich die „Lohmann’sche Mühle“ (ehemals Papiermühle),
  • in der Ortsmitte die „Bock’sche Mühle“ (ehemals Kornmühle),
  • am östlichen Dorfeingang die „Saakel’sche Mühle“ (ehemals Kornmühle).


Die drei Mühlenanlagen sind noch heute als kulturhistorisch bedeutende Bauwerke des Dorfes weitgehend erhalten.

Sie verdeutlichen zugleich, dass Mühlengebäude auch als Repräsentationsbauten errichtet wurden.

 

Lukratives Leinengewerbe & die Familie Rothschild

Merxhausen erlebte während der norddeutschen Blütezeit des Leinenhandels im 18. Jahrhundert seine „größte Zeit”.

Abraham Joseph Rothschild, 1772 in Merxhausen geboren, eröffnete 1808 im Dorf einen einträglichen Leinenhandel mit eigenem Warenlager für Garne und Leinenstoffe.

 

 

Text: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental

Luftbildaufnahme: „Die Eule“, Zeitung in Einbeck - mit freundlicher Genehmigung 2016.

 


[1] ANDERS 2004, S. 20.

[2] ANDERS 2004, S. 15; RAULS 1983, S. 22 f., 50.

[3] KNOLL/BODE 1891, S. 395.

[4] aus dem mundartsprachlichen Zeitungsartikel „Im Blauen Engel to Brunswiek“, Fragment aus einer unbekannten Zeitung, datiert 1935.

[5] STEINACKER 1907, S. 190; Presseartikel von G. Sch.: Merxhausen wollte der Teufel behalten. Eine heimatgeschichtliche Plauderei über das schöne Sollingdorf Merxhausen (Name der Zeitung und Erscheinungsdatum sind unbekannt).

[6] HENZE/LILGE 1989, S. 144 f.

[27] STEINACKER 1907, S. 191.

[28] Urkunde des Wolfenbüttelschen Consistoriums.

[29] Braunschweigische Anzeigen, März 1829, 18. Stück, 889.

[30] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1899.

[31] 40 cm hoher Kronleuchter mit 6 erneuerten Armen und Doppeladler; zwei 27 cm hohe Altarleuchter mit breitem rundem Fuss mit Teller, Schaft im Durchschnitt vierpassig, neuer Lichtteller.

[32] Braunschweigische Anzeigen, Januar 1899.

[33] Presseartikel von G. Sch.: Merxhausen wollte der Teufel behalten. Eine heimatgeschichtliche Plauderei über das schöne Sollingdorf Merxhausen (Name der Zeitung und Erscheinungsdatum sind unbekannt).