Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel - Teilfürstentum des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg

Staatsmacht & Verwaltung im Wandel

 

"Von den Grenzen und unterschiedlichen Theilen der Sachsen." [26]


Eng verbunden mit der Geschichte der Welfen in Nordwestdeutschland, die einst zu den mächtigsten Adelsgeschlechtern Europas gehörten, ist seit dem 13. Jahrhundert die Geschichte Niedersachsens - und letztlich jene der hier betrachteten Dorfregion.

Die historischen Wurzeln des Braunschweiger Landes und späteren Herzogtums Braunschweig sind bei Heinrich dem Löwen (um 1129/30-1195) und damit auf ein Teilgebiet des Welfen-Landes (Kernland um Lüneburg, Celle, Braunschweig und Harz) zurückzuführen.

Um 1139 betrat mit dem Welfen Heinrich dem Löwen [1], der zugleich Herzog von Sachsen und Bayern war, ein machtbewußter Welfe die Bühne der europäischen Geschichte.

Der in Braunschweig in der Burg Dankwarderode residierende Heinrich wurde 1180 als „der wohl berühmteste und durchsetzungsfähigste Herrscher im alten Sachsenland“.[2]

Ob seiner angestrebten königsgleichen Machtstellung wurde Heinrich der Löwe von seinem Vetter, dem Kaiser Barbarossa, geächtet und entmachtet unter Aberkennung aller seiner Besitztümer.

Damit zerfiel die Einheit des altsächsischen Stammesgebietes.

1209 wurde Otto IV. von Braunschweig (1175/76-1218), Sohn von Heinrich dem Löwen, zum Kaiser gekrönt - als einziger Kaiser aus welfischem Haus.[25]

Am 21. August 1235 hatte auf dem Mainzer Reichstag Otto das Kind (von Lüneburg, 1204-1252), ein Enkel Heinrichs des Löwen, die ererbten welfischen Eigengüter von Kaiser Friedrich II. (1194-1250) als Reichslehen genommen und damit den gesamten braunschweigschen Besitz.

Hieraus entstand das später zum Reichsfahnlehen erhobene Herzogtum Braunschweig-Lüneburg von 1432-1754, das durch Erbteilung später in vier Teilstaaten zerfiel.

Insbesondere 1267 und 1428 spalteten mehrere dynastisch bedingte Erbteilungen das Herzogtum in zahlreiche Haupt- und Nebenlinien (Lüneburger, Wolfenbütteler, Calenberger, Harburger, Göttinger, Grubenhagener Linie), während das Gesamthaus Braunschweig-Lüneburg als Herzogtum bestehen blieb.

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wies das Herzogtum ein fast geschlossenes Herrschaftsgebiet von der Elbe bis zur Oberweser auf, lediglich durch das dazwischen gelagerte Hochstift Hildesheim im Gebietszusammenhang unterbrochen.[3]

Die Geschichte des Bistums reicht bis in das Jahr 815 zurück, beginnend mit der Errichtung einer kleinen Kapelle Ludwigs des Frommen zu Ehren der heiligen Muttergottes.

In Folge der Aufsplitterung des Herzogtums entwickelte sich ein eigenes regionales Selbstverständnis.[4]

Unter den Territorien bildete sich bereits im 14. Jahrhundert das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel heraus, welches dann im 15./16. Jahrhundert in etwa dem Herzogtum Braunschweig des 19. Jahrhunderts entsprach.

Bis zum 17. Jahrhundert gingen alle welfischen Gebiete, die größten Teile des Landes Braunschweig, im Kurfürstentum von 1692 (Kurhannover) und späteren Königreich Hannover von 1814 auf.

Nur das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel bewahrte sich seine Selbständigkeit, als Freistaat bis 1946.

Nicht zuletzt aus politischen und ökonomischen Gründen mussten die Braunschweiger Herzöge in das kleinere Wolfenbüttel umziehen, wobei sie Braunschweig nur noch formell in ihrem Besitz behielten.[5]

Allmählich entstehende landesherrliche Verwaltungen, wie die des braunschweigischen Herzogtums, „bemühten sich generell, vereinheitlichende Ordnungen für die einzelnen Dörfer durchzusetzen“, wobei sie aber auf alte Gewohnheitsrechte der Bauern stießen.[6]

Zu den im niedersächsischen Raum während des Mittelalters zahlreich entstandenen Territorien der Adligen zählten auch die Gebiete der Herrschaften Everstein (mit den Höhenburgen "Kleiner Everstein" und "Großer Everstein") und Homburg (mit der Nachbarburg „Hohenburg“).

 

Mittelalterliche Höhenburgen - Großer Everstein und Kleiner Everstein

 

Das Geschlecht der Grafen von Everstein („Everstein’scher Löwe“ im Wappen des Landkreises Holzminden) war reich begütert, übte die Gerichtsbarkeit aus, besass die Markt- und Bürgerrechte sowie das Geleitrecht über die Weser.

Die ältesten Zeugnisse zur alten Herrschaft der Homburger und insbesondere zur Siedlung Stadtoldendorf ("Aldenthorp", "Oldendorpe") sind in dem umfassenden „Urkundenbuch der Stadt Stadtoldendorf“ hinterlegt.[7]

Die höfisch-dynastische Geschichte des Landes Braunschweig wurde seit 1667, als welfische Nebenlinie einsetzend, von Angehörigen der Dynastie Braunschweig-Bevern (Neues Haus Braunschweig) über sechs Generationen hinweg bis 1884 bestimmt.

Während das Königreich Hannover 1866 an Preußen gefallen war, regierten im weiterhin selbständigen Herzogtum Braunschweig die Welfen noch bis zur Abdankung von Herzog Ernst August und Herzogin Victoria Luise im Revolutionsjahr 1918.

Auch Braunschweiger Herzöge ließen sich von der Aufklärung inspirieren, wobei sie bemüht waren, die „Prinzipien der Vernunft“, ein rationaleres Denken, in den Angelegenheiten des Staates walten zu lassen, um eine Modernisierung und Optimierung des Staatswesens zu erzielen.[8]

Unter "Serenissimus Dux, Durchlaucht Carolus der Erste" - Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1713-1780) - entfaltete sich die Dynastie Bevern.

Über fast ein Dreivierteljahrhundert hinweg regierten Herzog Carl I. und dessen Sohn Herzog Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806) als Vertreter des Generationswechsels hin zum hochaufgeklärten Absolutismus von 1735–1806 den kleinen, unzusammenhängenden, agrarisch strukturierten Territorialstaat Braunschweig.

1806 fiel Herzog Carl Wilhelm Ferdinand als preußischer General in der Schlacht bei Auerstädt.

 

"Was kümmern uns hier des Herzogs Karl Finanz-, Medizinal-, Akzise- und Wegeverbesserungsanstalten?

Was sein Armenwesen, seine Hebammenverordnungen, seine Straßenpflasterung und Gassenerleuchtung?

Was seine Befehle und Begünstigungen zur Verbesserung des Ackerbaus, zur Forst- und Waldbenutzung, zur Jagdbeschränkung?

Was seine Vorkehrungen gegen Holzverwüstung durch Menschen und Käfer?"

Wilhelm Raabe in „Hastenbeck“ [1889/1985]

 

Während der Aufklärung avancierte das Herzogtum Braunschweig zum vorbildlichen Kleinstaat.

Sowohl der angeborene Landesvater Herzog Carl I. als auch Herzog Carl Wilhelm Ferdinand waren innenpolitisch um wesentliche Reformen bemüht.

Außenpolitisch erfolgte durch sie eine zunehmende familiäre wie auch militärische Bindung an Preußen, welches letztlich auch zum Schicksal der Braunschweiger Geschichte werden sollte.[9]

Am 03. September 1735 übernahm Carl I. als Landesherr die Regierungsgeschäfte des Herzogtums Braunschweig.

Durch seine Eheschließung am 02. Juli 1733 mit der Prinzessin Philippine Charlotte (1716-1801) - liebevoll „Lottine“ genannt -, der Schwester des preußischen Königs Friedrich II. (dem Großen), hatte sich das Herzogtum Braunschweig zugleich auch politisch an das aufstrebende Preußen gebunden.[10]

Durch die überaus prunkvolle Hofhaltung, rege Bautätigkeit und glanzvolle Hofkultur, aber auch durch die hohen finanziellen Belastungen infolge des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) kam es zu Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts - während der Regierungszeit von Herzog Carl I. - zu einer dramatisch angewachsenen Staatsverschuldung, die sich um 1760 bereits auf mehrere Millionen Taler belief.

Auf Grund der hieraus erwachsenen hohen Zinslast drohte schließlich der Staatsbankrott.[11]

Neben der defizitären staatlichen Finanzlage hatte sich die Wirtschaftssituation im Fürstentum Braunschweig kritisch zugespitzt mit negativer Rückwirkung auch auf das ohnehin durch die wirtschaftlichen Folgen des Siebenjährigen Krieges existentiell angespannte Leben und Arbeiten auf dem Lande, wie dem zwischen nördlichem Sollingrand und Holzberg.

In Folge der enormen Wirtschafts- und Finanzkrise und durch die zusätzlichen, unverhältnismäßig hohen Abgaben und Steuerlasten wuchsen bis in die 1790er Jahre die sozialen Missstände an, wobei die Bevölkerungsverelendung abgrundtief war.[12]

In der Regierungszeit „des Aufklärers” Herzog Carl Wilhelm Ferdinand (1735-1806), der bereits 1773 vorzeitig weitgehend die Regierung im Fürstentum Braunschweig von seinem Vater Herzog Carl I. übernommen hatte, wurde eine neue Entschuldungspolitik entwickelt und zugleich das Armenwesen weiter reformiert, "indem man den Armen hinreichenden Unterhalt gab, oder sie zu nützlichen Arbeitern für das bürgerliche Leben machte".[13]

Die historisch als geschickt bewertete Regierungsführung wie auch die erfolgreichen Reformen des aufgeklärten Herzogs brachten das kleine Land Braunschweig schließlich zum Aufblühen.

Die spätmittelalterlichen Sollingranddörfer Heinade und Merxhausen sowie das Sollingtal und spätere, frühneuzeitliche Arbeiterdorf Hellental unterstanden im 16.-19. Jahrhundert unterschiedlichen Herrschaften, hinsichtlich unterer Verwaltung und niederer Gerichtsbarkeit verschiedenen Kantonen und Ämtern.

Das Hellental unterstand zunächst der gerichtlichen Zuständigkeit des Amtes Fürstenberg, die Bauerndörfer Heinade und Merxhausen der des Amtes Wickensen.

Dieses war unter den sechs fürstlichen Ämtern des ehemaligen Braunschweiger Weserdistrikts das bedeutendste, ursprünglich von der Homburg aus verwaltet.

1535 war das fürstliche Amt nach Wickensen (Domäne Wickensen) verlegt worden, nachdem die Burganlage „Homburg“ bei Stadtoldendorf verfallen war.

Verwaltungsseitig lag Heinade zunächst in der „Oberbörde“ der Herrschaft Homburg, später in jener derer von Everstein.

Das erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründete Arbeiter- und Handwerkerdorf Hellental zählte als selbständige Gemeinde vormals zu dem seit 1654 bestehenden „Fürstlichen Amt Allersheim“.

Hellental wurde dann 1825 dem Kreisamt Stadtoldendorf mit allgemeiner Verwaltung und niederer Gerichtsbarkeit unterstellt.

 

Unterstellungsverhältnis der Dörfer Heinade, Merxhausen & Hellental im Rahmen der allgemeinen Verwaltung & unteren Gerichtsbarkeit im 16.-19. Jahrhundert

 

Heinade

Herrschaft Homburg - 1539/1550

Herrschaft Everstein - 1539

Amt Wickensen - 1580-1807

Amt Holzminden/Allersheim - (Dienste)

Kanton Stadtoldendorf - 1807-1813

Kreisgericht Eschershausen - 1814-1825

Kreisamt/Amt Stadtoldendorf - 1825-1850

Kreisdirektion/Landkreis Holzminden - seit 1850

Amtsgericht Stadtoldendorf - ab 1850

 

Merxhausen

Herrschaft Homburg - 1520

Herrschaft Everstein - 1539

Amt Holzminden/Allersheim - 1649-1807

Kanton Dassel - 1807-1813

Kreisgericht Eschershausen - 1814-1825

Kreisamt/Amt Stadtoldendorf - 1825-1850

Kreisdirektion/Landkreis Holzminden - seit 1850

Amtsgericht Stadtoldendorf - ab 1850

 

Hellental

Amt Fürstenberg - um 1550 / 1600  (Talgebiet)

Amt Holzminden/Allersheim - 1792-1807

Kanton Dassel - 1807-1813

Kreisgericht Eschershausen - 1814-1825

Kreisamt/Amt Stadtoldendorf - 1825-1850

Kreisdirektion/Landkreis Holzminden - seit 1850

Amtsgericht Stadtoldendorf - ab 1850

 

Während der „napoleonischen Epoche”, der Besetzung durch französische Truppen von 1807-1813, war das Land Braunschweig zunächst kurzzeitig völlig von der politischen Landkarte verschwunden, da es Teil des neuen großflächigen französischen Königreiches Westphalen unter der Regentschaft von Napoleons jüngstem Bruder Jérôme Bonaparte geworden war.[14]

In dieser Zeit unterstanden die Einwohner von Heinade dem neu geschaffenen Kanton Stadtoldendorf, die Einwohner von Merxhausen und Hellental hingegen dem Kanton Dassel.

Danach wurden die alten aufgelösten Ämter, wie in Wickensen, Forst und Allersheim, nicht wieder eingerichtet.

Mit seiner militärischen Niederlage in der „Völkerschlacht von Leipzig“ am 18. Oktober 1813 endete die relativ kurze Vorherrschaft von Napoleon I. auch über Deutschland und somit zugleich auch das französische Königreich Westphalen.

Nachdem am 22. Dezember 1813 der Braunschweiger Herzog Friedrich Wilhelm - der "Schwarze Herzog" - die Regierungsgeschäfte übernommen hatte, wurden 1814 fast alle napoleonischen Gesetze geändert und dabei die zuvor von einander getrennten Bereiche Rechtsprechung und Verwaltung zunächst wieder vereinigt.

Erst 1849 sollte im Herzogtum Braunschweig die vollständige Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung endgültig vollzogen werden.

Heinade, Hellental und Merxhausen wurden 1814 dem Kreisgericht Stadtoldendorf unterstellt.

1820 wurde im Herzogtum Braunschweig eine erneuerte Landschaftsordnung erlassen, organisiert nach dem so genannten Zweikammersystem (Erste Kammer: Adel und Rittergutsbesitzer – Zweite Kammer: städtisches Bürgertum und Bauern).[15]

Drei Jahre später, 1823, wurden die „Kreisgerichte“ in „Kreisämter“ umbenannt und die neue braunschweigsche Gerichtsverfassung trat in Kraft.

Bereits zwei Jahre später kam es zur nächsten Verwaltungsveränderung, in deren Folge die Dörfer Heinade, Hellental und Merxhausen ab dem 01. Oktober 1825 dem neu gebildeten Kreisamt Stadtoldendorf untergliedert wurde.

Ab 1826 hatte am wiederhergestellten Hofe zu Braunschweig der noch junge Herzog Carl II. (1804-1873), erstgeborener Sohn von Herzog Friedrich Wilhelm (1771-1815), die Regierungsgeschäfte übernommen.

Durch seinen eigenwilligen Regierungsstil, seine zahlreichen unverständlichen Entscheidungen sowie durch sein neoabsolutistisches Regime kam es jedoch im Herzogtum Braunschweig bereits 1830 zum offenen Aufruhr.

Die Unruhen führten schließlich zur Entmachtung des „Diamantenherzogs“ und zu seiner Flucht nach London.

Sein jüngerer Bruder Wilhelm (1806–1884) übernahm daraufhin ab dem 28. September 1830 die Regentschaft im Braunschweiger Herzogtum, die bis zu seinem Tode 1884 währte.

Herzog Wilhelm von Braunschweig lies 1841 das Braunschweiger Residenzschloss der Welfen wieder errichten („Dreimal abgebrannt - dreimal wieder aufgebaut“).

Unter ihm trat im Oktober 1832 eine moderne Verfassung - die "Neue Landschaftsordnung" - in Kraft, durch die sechs Kreisdirektionen geschaffen wurden, u.a. auch die Kreisdirektion Holzminden und damit der spätere Landkreis Holzminden.

Die Bevölkerung schätzte den konstitutionellen Monarchen Herzog Wilhelm, der seinen Ministern in den Regierungsgeschäften weitgehend freie Hand lies.

Herzog Wilhelm war, da er unverheiratet und kinderlos blieb, der letzte regierende Fürst aus der Linie Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern.

Durch seinen Tod von fiel 1884 in der Erbfolge das kleine Herzogtum Braunschweig an die Lüneburger Linie (Neues Haus Lüneburg), das nach dem Deutschen Krieg bereits 1866 durch Preußen entmachtete Haus Hannover, welches erst 1913 seine Herrschaft in Braunschweig antreten konnte.[16]

Die Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen am 20. September 1866 schnitt tief in die politische Geschichte Niedersachsens ein.

Preußen hatte im Deutschen Bund wie vor allem in Norddeutschland die Vormachtstellung erreicht. Das gewerblich wichtige, aber relativ kleine Herzogtum Braunschweig hatte sich ohnehin an Preußen angepasst.[17]

Das alte Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, das 1814 auf dem Wiener Kongress mit kleinen Korrekturen in seinen alten Grenzen – nunmehr zum Herzogtum Braunschweig erhoben – wiederhergestellt worden war, bestand schließlich bis 1918, der Gründung des Freistaates Braunschweig.

Das neu gegründete Herzogtum Braunschweig umfasste mehrere nicht zusammenhängende Landesteile, zu dem auch das Gebiet zwischen Harz und Weser gehörte.

Von 1814-1918 bestanden im Herzogtum sechs Kreise. Neben den Kreisen Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt, Gandersheim und Blankenburg gab es auch den Kreis Holzminden mit den Ämtern Holzminden, Stadtoldendorf, Eschershausen und Ottenstein.

Am 12. Oktober 1832 trat unter Herzog Wilhelm im Herzogtum Braunschweig eine relativ fortschrittliche Verfassung mit Grundrechtskatalog, einem „Einkammersystem“ und einer modernen Verwaltungsorganisation in Kraft, die Neue Landschaftsordnung.

Es war die erste Braunschweiger Verfassung, die mit ihrer konstitutionellen Staatsform eine ständige Vertretung des gemeinen Volkes vorsah.

Mittels der neuen Verfassung wurden sechs Kreisdirectionen, u.a. die Kreisdirektion Holzminden, als Mittelinstanz der allgemeinen Verwaltung gebildet und direkt dem Staatsministerium unterstellt.[18]

Hierdurch wurden die selbständigen Gemeinden Heinade, Hellental und Merxhausen Teile des 1832 neu gebildeten Kreises Holzminden mit der "herzoglichen Kreisdirection Holzminden".

Von nun an gehörten die drei Dörfer zum Kreisamt Stadtoldendorf im damaligen Kreis Holzminden.

Durch die Reichsgründung von 1871 konnte das Herzogtum Braunschweig zwar seine Selbständigkeit erhalten, jedoch wurde es in seinem Handlungsspielraum stark eingeengt.

So wurden die Kompetenzen immer mehr auf administrative Befugnisse und die Regelung lokaler Angelegenheiten beschränkt.[19]

Dadurch, dass sich der regierende Herzog Wilhelm zunehmend aus den Regierungsgeschäften zurückzog, kam es allmählich zu einer Quasi-Beamtenschaft mit monarchischer Spitze und stark liberal-konstitutionellen Zügen.[20]

Als Herzog Wihelm 1884 kinderlos und damit ohne Erben verstarb, „legte Preußen Einspruch gegen den 1879 in Form eines Regentschaftsgesetzes mit der jüngeren Welfenlinie von Hannover geschlossenen Erbvertrag ein und verhinderte dadurch die Übernahme Braunschweigs durch den erbberechtigten „Hannoveraner“ Ernst August von Cumberland“.[21]

Von 1885-1913 führte ein vom Deutschen Bundesrat gewählter Regentschaftsrat und später gewählte Regenten die Regierungsgeschäfte im Herzogtum Braunschweig, unter ihnen Johann Albrecht (1854-1920), Herzog von Mecklenburg-Schwerin.

Er war vom 05. Juni 1907 – 01. November 1913 zugleich Regent des Herzogtums Braunschweig.

Vom 16.–19. Juni 1909 kam in Begleitung seiner Gemahlin Elisabeth „Seine Hoheit der Herzog Johann-Albrecht zu Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunschweig zu Besuch „im Kreise Holzminden“.[22]

Am 06. Januar 1922 wurde das Herzogtum Braunschweig ein Freistaat und erhielt eine demokratische Verfassung.

Am Ende des Ersten Weltkrieges, am 08. November 1918, erklärte Ernst August (1887-1953) als letzter Braunschweiger Herzog, wie alle seine fürstlichen Standesgenossen, den Thronverzicht für sich und alle seine Nachkommen.

Mit der „November-Revolution“ entstand vorübergehend eine „sozialistische Republik“.

Hiernach folgte 1918 der Freistaat Braunschweig, der später 1946 im Land Niedersachsen aufgehen sollte.[23]

Als Freistaat erhielt Braunschweig am 06. Januar 1922 eine neue demokratische Verfassung.

Während der zentralistischen nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (1933-1945) wurde aus wirtschaftspolitischen Gründen (Gründung der Stahl erzeugenden Reichswerke in Salzgitter-Watenstedt (Hermann-Göring-Werke)) im Verlauf der Gebietsveränderungen im Salzgitter-Gebiet Ende 1941 der Kreis Holzminden aus seinem alten Stammland Braunschweig an den Regierungsbezirk Hildesheim der preußischen Provinz Hannover abgetreten.

Im Rahmen dieser Gebietsbereinigung erhielt Braunschweig zum Austausch das preußische Goslar.

Durch die Verordnung Nr. 55 der „Militärregierung Deutschland“ (Britisches Kontrollgebiet) vom 08. November 1946, welche rückwirkend zum 01. November 1946 in Kraft trat, vereinigte die nunmehr ihre ursprüngliche Souveränität verlierenden Länder Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe zu dem neuen Land Niedersachsen, dem mit ca. 47.400 km² zweitgrößten Bundesland Deutschlands.

Die Ernennung von Hinrich Wilhelm Kopf zum ersten Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen durch den Gebietsbeauftragten der britischen Militärregierung am 23. Novmber 1946 wurde zum offiziellen Gründungstag des Landes.[24]

Seit 1978 war, nach Auflösung des Regierungsbezirks Hildesheim, der ehemals Braunschweiger Landkreis Holzminden der Bezirksregierung Hannover unterstellt gewesen, die schließlich selbst im Zuge einer Verwaltungsreform zum 31. Dezember 2004 aufgelöst wurde, wie auch die anderen Bezirksregierungen Niedersachsens.

Am 23. November 1972 war im Niedersächsischen Gesetz- und Verordnungsblatt (S. 477) das „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden im Raum Holzminden“ veröffentlicht worden, wonach gemäß § 5 Abs. 3 die Gemeinden Heinade, Hellental und Merxhausen zu einer Gemeinde Heinade zusammengeschlossen wurden.

Im alten braunschweigschen Land gelegen, gehören seither die ehemals selbständigen Gemeinden Hellental und Merxhausen als Ortsteile zur 9,07 km² umfassenden 1.027 Einwohner (Stand: 23.03.2005) zählenden Gemeinde Heinade im südlichen Bereich der Samtgemeinde Stadtoldendorf, am östlichen Rand des Landkreises Holzminden, unmittelbar an den ehemals hannoverschen Landkreis Northeim und damit an den ehemaligen Regierungsbezirk Braunschweig grenzend.

Erst nach dem Tod von Herzog Heinrich dem Jüngeren öffnete sich das Land dem Luthertum.

Bis auf wenige Exklaven war um 1580 das gesamte niedersächsische Gebiet evangelisch.

Die konfessionellen Verhältnisse im Herzogtum Braunschweig blieben bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts weitgehend konstant.

War bis dahin das Herzogtum fast ausnahmslos protestantisch.

In Wolfenbüttel war die erste protestantische Kirche (Marienkirche) errichtet worden.

m Zuge der Industrialisierung ließen sich meist polnische Katholiken auch in den Dörfern nieder, wo sie in der Erntesaison Arbeit fanden.

Trotzdem blieb der prozentuale Anteil der katholischen Bevölkerung im Herzogtum Braunschweig bemerkenswert gering.

 

Volkstümliche Beschreibung um 1984 [27]

 

 

Text & Fotografie: Dr. Klaus A.E. Weber, Hellental



[1] LUCKHARDT/NIEHOFF 1995. Zum historischen Bild von Heinrich dem Löwen, dem „Identitätsträgers der Region Braunschweig“, und zur „Herrschaft und Repräsentation der Welfen 1125–1235“ wird auf Band 1–3 zur Ausstellung in Braunschweig (1995) verwiesen.

[2] HOFFMANN 2004, S. 12.

[3] HOFFMANN 2004, S. 32.

[4] Nds. Landeszentrale 2004, S. 165.

[5] HOFFMANN 2004, S. 18.

[6] HAUPTMEYER 1995.

[7] PARTISCH 2005, Kapitel A, S. 12 ff.

[8] HAUPTMEYER 2004, S. 87 f.

[9] JARCK/SCHILDT, 2000; BIEGEL 1997.

[10] ANDERS 2004, S. 30.

[11] JARCK/SCHILDT 2000.

[12] BIEGEL 1997.

[13] zit. in BIEGEL 1997.

[14] JARCK/SCHILDT 2000.

[15] HOFFMANN 2004, S. 48.

[16] JARCK/SCHILDT 2000.

[17] HAUPTMEYER 2004, S. 106 f.

[18] HOFFMANN 2004, S. 48; JARCK/SCHILDT 2000.

[19] HOFFMANN 2004, S. 26.

[20] HOFFMANN 2004, S. 48.

[21] HOFFMANN 2004, S. 49.

[22] Täglicher Anzeiger, Ausgabe № 138 vom Donnerstag, den17. Juni 1909.

[23] JARCK/SCHILDT 2000.

[24] HOFFMANN 2004, S. 70.

[25] BRAUNSCHWEIGISCHES LANDESMUSEUM 2009 (Landesausstellung: Otto IV. - Traum vom welfischen Kaisertum).

[26] Abb. in LESSMANN 1984, S. 9.

[27] LESSMANN 1984, S. 7.